Die Paläste von Carrara

Kurzinhalt

Wir sind Fürsten während der Renaissance in Italien und versuchen unser Ansehen bei der Bevölkerung zu steigern, indem wir die unterschiedlichsten Gebäude errichten. Je nachdem, in welcher Stadt wir die Gebäude errichten, werden wir mit Ruhm oder Geld überhäuft. Nur sollten wir uns vor den anderen Fürsten in Acht nehmen. Es kann nur einen (Liebling einer Stadt) geben.

Eckdaten

Autor: Wolfgang Kramer; Michael Kiesling
Illustrationen: Franz Vohwinkel
Verlag: Hans im Glück (Verlagsseite)
Jahr: 2012
Anzahl Spieler: 2-4
Dauer: 45 – 75 min.
Schachtelgröße: 22,80 cm x 32,30 cm x 9,60 cm
Preis: 32 – 42 €

Ausstattung

Ausstattung
Ausstattung

Das Spiel wird mit etlichen Holzteilen in sehr guter Qualität geliefert. Hinzu kommt ein Beutel, ein Haufen Plättchen, Pappmarker, Sichtschirme und das Ressourcenrad. Sowie ein Umschlag. In diesem findet man die Regeln für das Spiel mit Erweiterung, sowie die dafür benötigten Karten und Plättchen. Plastikbeutel für die Aufbewahrung sind dabei.

Regeln & Texte

Die Anleitung ist vorbildlich. Sowohl die normale, als auch die der Erweiterung. Hier ist wirklich jede einzelne Karte mit Beispiel erklärt.

Illustrationen

Der Sichtschirm eines Spielers. Dahinter wird Geld, Bausteine, Spielfiguren und Objekte verborgen.
Der Sichtschirm eines Spielers. Dahinter wird Geld, Bausteine, Spielfiguren und Objekte verborgen.

Die Illustrationen auf dem Spielplan sind stimmig. Die Städte sind eindeutig den Bausteinfarben zugeordnet und geben die Mindestwertigkeit der Steine an, die man für diese Stadt braucht. Der weiße Marmor ist am wertvollsten. Je dunkler der Stein, desto weniger wert ist er. Da die Gegend für den weißen Marmor bekannt ist, ist das thematisch ganz gut gemacht. Die Sichtschirme sehen wirklich wie kleine Schlösser aus. Lediglich das Cover gefällt mir nicht ganz so gut. Aber Geschmäcker sind subjektiv.

Aufbau & Größe

Spielbrett mit Kartenauslage, Geld, Objekten, Plättchen, 8er Gebäuden und Aufwertern. Die Box ist nicht im Spiel enthalten
Spielbrett mit Kartenauslage, Geld, Objekten, Plättchen, 8er Gebäuden und Aufwertern. Die Box ist nicht im Spiel enthalten

Spielfeldgröße: Spielbrett + Plättchennachziehstapel bzw. Kartenauslage: 54 cm x 42 cm. Spielerauslage ca: 28 cm x 36 cm (eher weniger) Aufbauzeit: 1. Partie 2:30 min – 3:00 min. Folgepartien ca. 1:30 min

Ablauf

Zu Beginn hat jeder Spieler 20 Geld. Der Startspieler bekommt einen scharzen Baustein. Der 2. Spieler einen blauen usw.
Spielt man mit der Erweiterung werden, die 8er Gebäude am Spielfeldrand mit den Aufwertern ausgelegt und vier Karten aus den unterschiedlichen Kategorien gezogen. Diese bestimmen, wann das Spielende angesagt werden kann.

In seinem Zug muss man eine der folgenden Aktionen durchführen.

a) Bausteine kaufen: Im Grundspiel dreht man das Rad um eine Stelle weiter und zieht soviele Steine aus dem Beutel, bis wieder 11 Steine vorhanden sind. Die gezogenen Steine kommen auf das teurste Segment des Rades. Spielt man mit der Erweiterung, so muss man das Rad nicht weiterdrehen und zieht dann auch keine zusätzlichen Steine aus dem Beutel.

Das Rad mit den Bausteinen zu Spielbeginn. Je weiter es gedreht wird, desto günstiger sind die Steine.
Das Rad mit den Bausteinen zu Spielbeginn. Je weiter es gedreht wird, desto günstiger sind die Steine.

b) Gebäude bauen: Man nimmt sich ein Gebäude, platziert es in einer seiner Städte und bezahlt die Kosten in den Farben der Steine, die in dieser Stadt erlaubt sind. Dann deckt man ein neues Plättchen auf. Mit der Erweiterung kann man ein errichtetes Gebäude abreissen und „recyclen“. Hier bezahlt man nur die Differenz an Steinen zwischen den zwei Gebäuden. Baut man so eines der 8er Plättchen, darf man sich einen Aufwerter nehmen. Dieser verbessert die Wertung einer Stadt bzw. der Stadt- und Landgebäude.

Die Gebäudeauslage. Die Kosten sind rechts oben und des dazugehörige Objekt rechts unten angegeben.
Die Gebäudeauslage. Die Kosten sind rechts oben und des dazugehörige Objekt rechts unten angegeben.

c) Werten: Im Grundspiel können Gebäudearten oder Städte gewertet werden. Um eine Gebäudeart zu werten, braucht man mindestens ein Gebäude dieser Sorte. Dann erhält man je nach Stadt in der die Gebäude stehen, die Punkte bzw. das Geld multipliziert mit den Baukosten der Gebäude. Am Ende nimmt man sich noch, falls möglich, ein entsprechendes Objekt für jedes Gebäude.Um eine Stadt zu werten, muss man die auf dem Spielplan angegebene Mindestanzahl an Gebäuden in dieser Stadt besitzen. Dann erhält man je nach Stadt die Belohnung multipliziert mit der Summe der Baukosten aller Gebäude in dieser Stadt sowie, falls möglich, die zu den Gebäuden gehörigen Objekte. Danach kann diese Stadt von keinem Spieler mehr gewertet werten! Spielt man mit der Erweiterung, so ist es auch möglich alle seiner Stadt (orange)- bzw. seiner Landgebäude (grün) zu werten und Geld bzw. Punkte zu erhalten. Hierfür erhält man aber keine Objekte. Als Zusatzaktion darf man einmal pro Zug eines der auf dem Spielplan liegenden Objekte für 10 Geld kaufen. Hat man die Bedingungen für das Spielende erfüllt, kann man das Spielende ansagen und erhält nochmals 5 Extrapunkte. Danach erfolgt die Abrechnung.

Gebäudewertung: Wertet der Spieler seine Palazzi, erhält er 2*2 Spiegpunkte (Lucca) und 1*3 Geld (Lerici) und 2 Objekte
Gebäudewertung: Wertet der Spieler seine Palazzi, erhält er 2*2 Spiegpunkte (Lucca) und 1*3 Geld (Lerici) und 2 Objekte. Stadtwertung: Es kann nur Viareggio gewertet werden. In den anderen Städten stehen zu wenig Gebäude: Der Spieler würde 2* (1+4+3) Geld bekommen und 3 Objekte. Kein anderer Spieler könnte Viareggio jetzt noch werten.

Spieltiefe

Hat man ein 8er Gebäude errichtet, darf man sich einen Aufwerter aussuchen. Dieser verbessert die Wertung von Gebäuden in einer Stadt. Zb. bekommt man nun in Pisa statt 3*Baukosten Gold 4*Baukosten Geld + 1*Baukosten Siegpunkte.
Hat man ein 8er Gebäude errichtet, darf man sich einen Aufwerter aussuchen. Dieser verbessert die Wertung von Gebäuden in einer Stadt. Zb. bekommt man nun in Pisa statt 3*Baukosten Geld 4*Baukosten Geld + 1*Baukosten Siegpunkte.

Das Spiel ist sehr zugänglich. Die Grundregeln „Kaufen“ und „Bauen“ sind einfach gehalten. Nur beim Werten braucht man etwas mehr Erklärzeit. Das Grundspiel spielt sich gerade heraus und ist vor allem zum Kennenlernen der Mechnismen geeignet. Beim Spiel mit der Erweiterung gibt es wesentlich mehr Entscheidungsmöglichkeiten.Timing ist hier oft das Um und Auf. Worauf man spielt hängt sehr stark von den Endbedingungen ab, die von Partie zu Partie variieren.

Spielgefühl & Interaktion

Dadurch, dass man nicht genau weiß wann das Spiel enden wird, fühlt man sich wie in einem Wettrüsten. Man ist selbst dafür verantwortlich, dass man wieder Geld bekommt bzw Punkte sammelt. Das Spiel schenkt einem nichts, außer den 5 Punkten beim ansagen des Spielendes. Man kann in einem Spiel aber nur 6 Wertungen durchführen. Wenn dann ein Spieler vor einem selbst eine Stadt wertet, kann das durchaus sehr bitter sein. Also Augen auf beim Spieleabend 🙂

Abwechslung & Langzeitspass

Das Grundpsiel ist nach einer Weile nicht mehr interessant. Zu absehbar was passieren wird und zu repetetiv.
Aber im Kuvert liegt der Langzeitspass des Spiels. Die Karten können das Spiel sehr stark verändern. Das führt zu immer anderen Spielen, was sowohl Ablauf als auch Dauer angeht.

Meine Meinung

Mir persönlich gefällt das Spiel sehr. Die Sichtschirme mit der verdeckten Information, das Rad mit den Bausteinen und die Wertungen, die man selbst durchführen muss. Das unterscheidet es sehr stark von anderen Spielen in meiner Sammlung. Ich muss zugeben, dass das Spiel nicht allen gefallen hat. Gerade Spieler, die eher „nebeneinander“ spielen und sich hauptsächlich um ihre eigene Auslage kümmern, können schnell auf die Nase fallen. Das Spielende ist meist schneller da als erwartet und dann hieß es des Öfteren. „Aber ich wollte doch noch werten“. Das Thema ist ebenfalls nicht gerade der große Renner. Wir bauen mal wieder Gebäude … in Italien … in der Renaissance. Aber die Gestaltung des Materials stimmt. Hobbyspieler können bedenkenlos gleich das Kuvert aufreißen und sich auf das ganze Spiel stürzen. Anfänger sollten zuerst, wie vorgesehen, ein paar Partien mit den einfachen Regeln spielen. Sonst steht man ganz leicht ohne Geld da und einen Aufholmechanismus oder „Geschenke des Königs“ gibt es nicht. Tja das Baugewerbe in Carrara ist ein hartes. Wem diese Art der Interaktion zusagt und wer ein kurzweiliges Spiel mit mittlerem Anspruch sucht, ist hier sehr gut aufgehoben.
Von mir gibt es einen ganzen und einen halben schiefen Turm. Tendenz nach oben.

Rezensionsupdate August 2015: Carrara hat den Aufstieg geschafft. Von mir gibts 9 Türme. Noch immer gern gespielt. Ich glaube wir haben auch nach etlichen Partien nicht mal alle Zielkarten durch. Mit Wenigspielern hab ich aber eher schlechte Erfahrungen gemacht. Da ist der Funke nicht so übergesprungen. Erfahrenere Spieler hingegen durch die Bank toll gefunden. Man muss nur darauf achten, Spieleveteranen nicht mit der „Grundvariante“ zu langweilen oder unerfahrenere Spieler mit den Erweiterungen zu überfordern.

Rezensionsupdate November 2015: Fällt wieder einen Bruchteil nach unten. Ein anderes Spiel in dieser Gewichtsklasse hat derzeit mein Herz im Sturm erobert und verdrängt Carrara zwischen Turm 8 und 9

Wertungsupdate Jan2016: Gut+

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2 Gedanken zu “Die Paläste von Carrara

  1. Schön zu lesen, dass noch jemand diese Perle entdeckt hat. Ich habe Carrara vor zwei Jahren getestet und war positiv überrascht, sticht es doch aus der üblichen „Jeder optimiert so vor sich hin“-Suppe des Verlags hervor. Ich kann mich dem Fazit also nur anschließen.

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