Ist das alles nicht zu teuer?

Heute geht es um ein Thema, dass wahrscheinlich jeder kennt, der eine kleine Spielesammlung zu Hause stehen hat, bzw. Gesellschaftsspiele als sein Hobby sieht. Irgendjemand, im Zweifelsfall das eigene Gewissen, wird die Frage stellen:“Ist das alles nicht zu teuer?“.
Ich werde nun versuchen diese Frage von mehreren Seiten zu untersuchen. Zuerst sehen wir uns an, was denn den Preis eines Spieles ausmacht:

Der Preis eines Spiels

Die Komponenten. Je mehr Bestandteile ein Spiel hat, desto teurer ist es natürlich. Holz ist meistens auch teurer als Plastik. Das schlägt sich im Preis nieder. So wundert es nicht, dass ein Caverna, dessen Schachtel bis an den Rand mit Material gefüllt ist, fast 70€ kostet.

Oftmals bezahlt man auch für eine neue Spielidee oder Illustrationen. 7 Wonders ist so ein Beispiel. Obwohl es nur großformatige Karten enthält, kostet es immerhin noch 40€ obwohl es den Kennerspiel des Jahres Preises abgesahnt hat. Das führt mich gleich zum nächsten Punkt.

Die „Spiel des Jahres“ und „Kennerspiel des Jahres“ Preise sind die weltweit einflussreichsten Preise die ein Spiel erhalten kann. Sie haben eine große Auswirkung auf die Verkaufszahlen der Preisträger. Je mehr Stückzahlen eines Spiels verkauft werden, desto günstiger wird das Spiel auch in der Produktion. So hat z.B. „Istanbul“ bevor es Kennerspiel des Jahres wurde 40€ gekostet , danach so um die 30€ und vor Weihnachten war es für knapp über 20€ zu haben. Erhält ein Spiel diesen Preis, kann man normalerweise davon ausgehen, dass er Preis des Spiels fällt.

Der Wert eines Spiels

Sehen wir uns jetzt einmal an, was ein Spiel „wert“ ist? Wie schon Aristoteles gesagt hat: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
Als Beispiel nehme ich mir Carcassonne heraus. Der Kaufpreis des Spiels, mit allen Erweiterungen die ich habe, beträgt fast 120€. An dieser Stelle musste ich selbst kurz schlucken. Das ist schon recht viel, sagt mein Gefühl.
Aber wir pfeifen einmal kurz auf mein Gefühl und sehen uns die nüchternen Zahlen an. Wenn ich jetzt nur die Male hernehme die ich mit meiner Freundin das Spiel gespielt habe, seit ich es Ende 2013 gekauft habe, komme ich auf ca 40 – 50 Partien. Es ist zu zweit unser Lieblingsspiel. Gehen wir von niedrigeren Wert aus. Also 40. Spielzeit … sagen wir 40 Minuten. Mit ein paar Erweiterungen dauerts doch etwas länger. Damit kommen wir auf 1600 Minuten. Das ist mehr als ein ganzer Tag! Wenn ich die Kosten herumrechne, macht das 3€ Pro Partie. Ist das viel? Ist das wenig?

Nehmen wir andere Medien als Vergleich. Ein Kinobesuch für zwei Personen kostet mehr als 20€. Ein Film dauert durchschnittlich 2h. auf 40minuten aufgerechnet wären das ~6,70€. Eine DVD kostet ca die Hälfte. Somit kommen wir auf ungefähr 3€. Das Material von Carcassonne ist aber noch so gut wie zu Beginn. Es bietet weiteren Spielspass für viele Jahre. Wir haben noch nicht einmal alle Module der Erweiterungen ausprobiert! Die DVD werde ich in meine Sammlung aufnehmen. Dh. sie verstaubt im Schrank, bis dort kein Platz mehr ist. Dann wird aussortiert.

Zusätzlich kommt noch der soziale Aspekt hinzu, der mir sehr wichtig ist. Anstatt nebeinander ein Film zu schauen, kann ich hier miteinander die Zeit verbringen. Manche würden sagen „Aber ihr unterhaltet euch ja nicht miteinander! Das ist ja keine richtige Interaktion!“. Das halte ich für Blödsinn. Natürlich kann ich mich nicht während eines laufenden Spiels ausgiebig über den letzten Urlaub unterhalten. Die Interaktion erfolgt im Rahmen des Spiels. Dh. aber nicht dass ich mich anschweigen muss. Es wird gestichelt, geblufft, geblödelt und man hilft einander. Ich finde das wesentlich befriedigender als einen Abend vor dem Fernseher.

Das war das Beispiel mit Carcassonne. Was aber bei einem Spiel, dass man vielleicht nur 1-2 Mal spielt? Da sind die 30€ vielleicht rausgeworfenes Geld, oder? Das hängt natürlich davon ab, ob das Spiel Spaß gemacht hat. Wenn ja, dann nicht. Es hat kein Ablaufdatum. Man hat vielleicht Jahre, in denen man keine Zeit dafür hat. Kinder, Stress in der Arbeit, Uni … und und und. Aber irgendwann wird es wieder besser. Man kramt das Spiel hervor und kann von neuem loslegen. Wenn man sorgfältig mit den Spielen umgeht, sind sie auch nach Jahrzehnten in tadellosem Zustand.

Fazit

Diese Frage könnt man noch über viele weitere Seiten erörtern, aber ich möchte zu einem Ende kommen. Für mich sind Gesellschaftsspiele immer eine gute Investition. Ich verzichte gerne darauf mir DVD’S zu kaufen, die ich mir wahrscheinlich nur 1 Mal ansehen würde. Stattdessen kaufe ich mir Gesellschaftspiele, die ich immer wieder neu erleben kann und dazu noch Zeit mit Freunden und der Familie verbringe. So betrachtet lag mein Gefühl falsch. Wie seht ihr das? Ist mein Blickwinkel schief? Habt ihr Spiele wo ihr sagt, Nein – zu teuer!

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10 Gedanken zu “Ist das alles nicht zu teuer?

  1. Also ich sehe das ähnlich. Wenn abzusehen ist, dass ein Spiel gut ist und ich es häufiger spielen werde, dann bin ich gerne bereit auch etwas mehr dafür auszugeben. Und das man von einem solchen Spieleabend mehr hat als von einem Kinoabend stimmt auch.

    Gruß Martin

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  2. Man darf diese Rechnung nur nicht zu lange aufstellen…. Ich habe einen Schrank von knapp 30-50 modernen Brettspielen. Einige Klassiker darunter.
    gekostet hat mich das ganze fast stolze 1000€, macht eben die 20-30 € pro Spiel… da sind sicher auch Ausreisser drin, aber eben nicht zu viele.

    Kino … geh ich schon lange nimmer… zu zweit mit Babysitter Popcorn und Cola: mindestens 50 € eher 70 € pro Film. (natürlich in 3D, was anderes gibts ja nimmer)
    Dafür bekomm ich locker ein, vielleicht sogar 2 Spiele.
    Was ist nun aber wenn ich 100 Spiele im Schrank habe, vielleicht sogar 500 (keine Seltenheit)
    Dann sind die 30 € verloren, da ich sicher ein anderes altes Spiel nicht wieder spielen kann, da mir die Zeit dazu fehlen wird.

    Wichtig bei Brettspielen ist aber auch: je nach Spiel ist das Spiel nach 1-2 Jahren oft mehr wert als der Einkaufspreis.
    Mein Motto, bevor ein neues Spiel dazukommt, muss eines weichen… so finanziere ich seit Jahren immer neue Spiele….Manchmal kann ich mich von einem Stück nicht trennen, dann ist es erlaubt auch mal Zuwachs zu bekommen. Pro Jahr werden es Schätzungsweise 5 Spiele mehr, aber bei sicher 10-15 tauschgeschäften, bzw verkäufen/Neukäufe.

    Tauschbörsen gibts zu genüge, und oft kann man dort auch zum Vorteil tauschen… Ich bin zum Beispiel letztens Kingdom Builder losgeworden (ebay Preis bei ca 5 €, wirklich mieses Spiel :)) Und habe nun ein Spiel, welches schon jahrelang nicht mehr verkauft wird, und einen guten Verkaufswert hätte (Wikinger von HiG)
    Aber noch halte ich es, 5 Spassige Partien hat es uns schon eingebracht, und es werden noch weitere folgen. 🙂

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  3. Eines stimmt schon. Je mehr Spiele man im Schrank hat, desto seltener kommt man dazu einzelne Spiele öfters als 3-4 Mal zu spielen (einige Ausreißer mal ausgenommen). Aber ich denke, wenn man mal 100+ Spiele im Schrank stehen hat, zählt man sich selbst auch zu den Sammlern (Wie gesagt, ich denke, dass das so ist. Von 100+ bin ich noch weit entfernt). Dann nimmt das ganze doch eine zusätzliche Dimension an, wenn das Spiel nicht nur einen „Unterhaltungswert“ sondern auch einen „Sammelwert“ hat.

    Wenn ich mir ein Spiele für meine Sammlung zulegen, überlege ich auch ob ich ein Spiel mit diesen Mechanismen/dieser Thematik noch brauche, ob das auch jemand mit mir spielen wird bzw. wo das Spiel im Regal Platz hat. Natürlich bin ich aber nicht vor Spontankäufen gefeit 😉 Letztens hab ich San Juan (in hübsch) in einem Spieleladen gesehen. Das musste ich einfach mitnehmen … aber mehr dazu in einer der nächsten Rezensionen.

    Ein Freund hat Kingdom Builder zu Hause. Ich finds mit der Crossroads Erweiterung eigentlich ganz gut 🙂

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