Orléans

Die Rezension zu Orléans ist endlich fertig. Ludomentarys sind in Arbeit aber das echte Leben und einige Deadlines machen mir da einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Aber da gibt es eine Möglichkeit. Ich wähle die Aktion „Klonen“ aus und schon nächste Woche kann ich mich noch einmal aus dem Beutel ziehen. Wenn ich sie nicht mehr brauche schicke ich sie in die Welt um segensreiche Werke zu vollbringen … hach wäre das nicht schön.

Eckdaten

Autor: Reiner Stockhausen
Illustrationen: Klemens Franz
Verlag: dlp Games (Verlagsseite)
Erscheinungsjahr: 2014
Spieleranzahl: 2 – 4
Dauer: 60 – 90 min
Schachtelgröße: 31,6cm x 22x6cm x 7,6cm
Preis: 35 – 50€

Ausstattung

Orléans - Ausstattung
Orléans – Ausstattung

Im Spiel wird sehr viel Material mitgeliefert. Spielbretter, ein paar Beutel und ein riesiger Haufen Pappe in allen Formen und Farben.
In ein paar Rezensionen habe ich gelesen, dass bei den Plättchen schnell Abnutzungerscheinungen aufgetreten sind. Anscheinend gab es eine Materialaufwertung, weil das konnte ich nicht beobachten. Auch das Badehaus, dass vielen zu stark erschien, ist in der Auflage die mir vorliegt, durch eine schwächere Version ersetzt worden.

Illustrationen

Die Illustrationen gefallen mir hier sehr gut. Für mich sehen sie so aus, als wären sie von tatsächlicher mittelalterlicher Malerei inspiriert worden.

Aufbau

Der zentrale Aufbau
Der zentrale Aufbau

Spielfeldgröße: Spielplan 81cm x 42cm , Spielerauslage ca 50cm x 21cm
Aufbauzeit: 10 Minuten (1. Partie), 5 Minuten (Folgepartien)

Besonderheiten

„Orléans“ ist ein interessantes Bausatz Spiel. Jede Runde zieht man eine gewissen Anzahl von Plättchen aus dem Beutel und kann mit diesen Aktionen durchführen.

Die unterschiedlichen Plättchen, mit denen Aktionen durchgeführt werden.
Die unterschiedlichen Plättchen, mit denen Aktionen durchgeführt werden.

Man bekommt neue Plättchen und je nach Leiste andere Boni. Geld, Waren, Entwicklung, Technik, mehr Plättchen die man aus dem Beutel zieht oder man kann Gebäude errichten und so noch an zusätzliche Aktionen kommen. Man kann auch über Flüsse oder Straßen auf der Karte reisen und Waren einsammeln oder errichtet Kontore. Bürger die man nicht mehr benötigt sendet man ins Rathaus wo sie an den „segensreichen Werken“ mitarbeiten. Das sind Großprojekte, wie die Errichtung einer Kanalisation oder man sendet eine Delegation zur Papstwahl und und und…

Die segensreichen Werke
Die segensreichen Werke

Ereicht man bestimmte Punkte auf der Entwicklungsleiste oder einzelner Personenleisten als Erster oder vollendet ein segensreiches Werk, stimmt man die Bürger glücklich. Als Belohnung bekommt man ein Bürgerplättchen. Diese sind wichtig für die Endwertung.

Das Spielertableau. Hier werden die gezogenen Plättchen platziert um Aktionen auszuführen.
Das Spielertableau. Hier werden die gezogenen Plättchen platziert um Aktionen auszuführen. Will man z.B. das Bauernhaus aktivieren, benötigt man einen Fisher (blau) und einen Handwerker (braun). Auf dem Haupttableau versetzt man den Marker für die Bauern. Erhält die dort abgebildete Ware und ein Bauernplättchen.

Sehr schön ist, dass die Planung der Aktionen von allen Spielern gleichzeitig durchgeführt wird. So reduziert man die Wartezeiten. Ich muss nicht alle meine Plättchen in meinem Zug verbrauchen. Sie können schon zur Vorbereitung zukünftiger Züge auf den Aktionsfeldern oder auf dem Markt abgelegt werden. So wird das Nachziehglück um einiges verringert.

Jede Runde tritt außerdem eines von 6 Ereignissen sein. Diese sind meist negativ. Jedes Ereignis ist im Stapel drei Mal vorhanden. Ist der Stapel mit den Ereignissen aufgebraucht, Endet das Spiel. Am Ende gibt es Punkte für Waren, Geld und: (errichtete Kontore + gesammelte Bürgerplättchen) * Entwicklungsstand.

Einstieg & Wiedereinstieg

Die einzelnen Aktionen und der Spielablauf sind jede für sich recht einfach aber das Ineinandergreifen der Teil macht es etwas komplexer. Hat man es mal begriffen, findet man sehr schnell ins Spiel. Worauf man aber genau spielen soll, ist einem in der 1. Partie eher nicht bewusst. Erst nach der Endwertung kann man die eigenen Entscheidungen besser abwägen.

Meine Meinung

„Orléans“ hat mich ziemlich umgehauen. Ein einfacher Ablauf, viele Optionen und dazu noch ein Quäntchen Glück. Welche Plättchen zieht man aus dem Beutel und welche bleiben drin? … Aber bevor ich weiter mit Lob um mich schmeiße, bremse ich hier mal ab. Was gefällt mir nicht? Die Plättchen wollen manchmal einfach nicht aus dem Beutel kommen und scheinen sich absichtlich in irgendwelchen Ecken zu verstecken. Das kann natürlich nicht nur an der Schüchternheit der Plättchen, sondern auch an ihrer Dicke und Größe liegen. Die Konkurrenz auf der Karte hält sich bei zwei Spielern in Grenzen und vor allem bei den segensreichen Werken tut sich zu zweit recht wenig. Schade.

Vorder- und Rückseite der Spielerhilfe. Ein wenig klein.
Vorder- und Rückseite der Spielerhilfe. Ein wenig klein.

Die Spielerhilfe ist wirklich klein geraten und nur für einen Spieler vorhanden. Für den Aufbau hätte ich es gut gefunden, wenn noch ein kleiner Beutel für die Warenplättchen beigelegt gewesen wäre, wo man die Plättchen blind herausziehen kann. Für meinen Geschmack hätten die Ereignisse noch ein wenig stärker sein können. Apropos Ereignisse: Das 1. Ereignis ist in jeder Partie die Wallfahrt. Sie verhindert, dass man in dieser Runde Mönche erlangen kann. Irgendwie ist das seltsam, da es technisch gar nicht möglich ist, mit den Startplättchen Mönche zu bekommen. Also kann man diese Karte auch einfach weglassen und hat in der 1. Runde kein Ereignis. Zuletzt: Der Aufbau dauert schon etwas lange. Das alles ist aber Kritik auf hohem Niveau.

12 der 20 Ortskarten
12 der 20 Ortskarten

Ansonsten ist „Orléans“ für mich eines der besten Spielen, die ich dieses Jahr gespielt habe. Zu Beginn hören sich 18 Runden nach viel an aber die Zeit vergeht wie im Fluge. Plättchen ziehen, Aktionen planen, abarbeiten und ab in die nächste Runde. So bastelt man schön an seiner Auslage. Durch die unterschiedlichen Gebäude und Aktionsmöglichkeiten hat man sehr viele Möglichkeiten mit denen man experimentieren kann. Aber man braucht auch ein zweites Standbein. Angenommen ich konzentriere mich darauf, rasch auf der Entwicklungsleiste voranzuschreiten, um die Bürgerplättchen abzustauben. Irgendwann ist die Leiste am Ende und das nicht erst bei Spielende. Wenn man dann keinen Plan B hat, schaut man danach drein, wie ein Uhu nach dem Waldbrand. Man braucht also auch das richtige Timing um Umzuschwenken und Schwung für die letzten Runden zu holen.
Alle die ein Strategiespiel mit interessantem Mechanismus, viel Platz für Experimente aber auch nicht zu hohem Anspruch suchen, werden hier fündig. Aber Vorsicht! Orléans macht süchtig! 9 Mönche!

Wertungsupdate Jan2016: Sehr gut

Rezensionsupdate (01/2017): Mag ich immer noch sehr – vor allem mit den Auftragskarten und dem neuen Brett für die segensreichen Werke in der Handel & Intrige Erweiterung. Aber es braucht echt lange bis mans aufgebaut hat. Das ist oft einer der Gründe warum wir stattdessen zu etwas anderem greifen.Da es mir mit den Elementen der Erweiterung so viel besser gefällt, gibts eine kleine Abwertung.
Sehr Gut-

 

Rezensionsupdate (05/2017): Jep … ich muss das Grundspiel nochmals ein wenig abwerten. Die Elemente der 2. Erweiterung zeigen, was im Grundspiel „fehlt“. Ohne sie würde ich es nicht mehr spielen. Waren haben einen tieferen Sinn. Ereignisse sind interessanter und von den viel cooleren segensreichen Werken brauchen wir gar nicht anzufangen. Dh. meiner Meinung nach macht das Handel und Intrige zu einer Pflichterweiterung. Grundspiel + Erweiterung sind aber zusammen jetzt nicht unbedingt ein Schnäppchen.

Gut

Für Grundspiel + Handel und Intrige bleibt es bei Sehr Gut-

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10 Gedanken zu “Orléans

  1. – wegen dem 2-Spieler Problem: da schafft die aktuelle Erweiterung Abhilfe. Diese bietet neben anderen Dingen auch einen 2-Spieler-Modus, der sehr gelungen ist.
    Generell bringt die Erweiterung dann auch noch weitere Szenarien mit sich; unter anderem eine kooperative Variante für 2-5 Spieler, die übrigens ziemlich knifflig ist…

    – wegen den Plättchen: ich habe mir da gleich die Fan-Erweiterung gekauft. Diese bringt nämlich Holzfigürchen und passende Aufkleber dazu; anstatt weiterhin mit den Plättchen spielen zu müssen.

    Gefällt 1 Person

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