Thema des Tages: Thema

Es wird bei Gesellschaftsspielen ja sehr viel darüber gesprochen, was thematisch und was mal ganz und gar nicht thematisch ist.
Ich habe mir ein paar Gedanken darüber gemacht und finde, dass man das Thema auf drei Ebenen aufteilen kann. Diese Ebenen sehe ich mir mit unterschiedlichen Spielen an.
Ich hab mir ein paar Klassiker und ein paar aktuelle Spiele ausgesucht. Catan, Dominion, Colt Express, Istanbul und Zug um Zug

Ebene 0: Brot und Butter
Beginnen wir mit dem Grundlegenden. Wie gut passen Gestaltung und Texte zum Spiel und helfen in die Spielwelt einzutauchen?

„Colt Express“
Die Optik stimmt hier von vorne bis hinten. Zugabteile, Charaktere, Wüstendeko. Westernfeeling pur. Die Schachtelgrafik zeigt auch, dass es ein wenig chaotischer zugeht.

„Catan – Das Spiel“
Klaus Teuber hat in Interviews immer wieder gesagt, dass er immer die Vorstellung von Wikingern hatte die eine Insel entdecken und besiedeln. Die Optik passt gut dazu. Ich mag die Arbeit von Michael Menzel aber ich muss sagen, dass nichts an die Original Schachtelgrafik heranreicht.

„Dominion“
Hier bin ich neutral was die Optik angeht. Einerseits wird das Mittelalter Thema von den Illustrationen eingefangen. Andererseits gibt es ein paar optische Ausreisser, die nicht wirklich ins Gesamtbild passen. Zusätzlich haben die Karten die man in jeder Partie verwendet (Geld, Punkte und Flüche), in der Grundbox, keine Illustrationen. Das macht das ganze recht abstrakt. Die amerikanische Schachtelgrafik finde ich persönlich total unpassend, da sie vollkommen falsche Erwartungen an das Spiel weckt.

„Istanbul“
Auch hier gefallen mir die Illustrationen sehr gut. Man hat schon beim Ansehen der Schachtel ein Gefühl, worum es im Spiel geht und das zieht sich durch das ganze Spiel. Sehr gut.

Zug um Zug“
Schön illustriertes Spiel. Die Grafik passt zur Zeit. Aber passt es zum Thema? Für alle die es nicht wissen, hier geht es um eine Wette im Stil von „in 80 Tagen um die Welt“, nur mit der Abwandlung, dass man versucht in 1 Woche so weit wie möglich durch die U.S.A. zu reisen. Ich seh auf dem Schachtelcover zwar Leute mit Tickets herumfuchteln aber ich glaube nicht, dass ein Kind bei so einer Wette mitmachen dürfte.

Ebene 1: Die Spielelemente
Wie stimmig sind die Elemente die wir verwenden?

„Catan“
Ressourcenkarten – stimmen. Die Spielemente – stimmen. Für eine Siedlung brauche ich Holz, Lehm, Stoffe und Nahrung um die Bevölkerung zu versorgen. Eine Stadt ersetzt die Holzhäuschen durch Steinbauten und man braucht natürlich mehr Nahrung. Manches macht aber auch nicht so viel Sinn. Wenn die Insel vorher nicht besiedelt war, warum gibt es bereits Handelshäfen an der Küste? Warum hat man auf einmal ein Monopol und die anderen Spieler müssen alles abgeben. Wer zwingt sie dazu? Da würde ich mich bei gleich bei derseben Instanz über den plündernden Räuber beschweren.

„Colt Express“
Man hat Karten einige Karten die durchaus thematisch sind.  Aber ob man wirklich jemand so hart schlagen kann, dass er in den benachbarten Waggon fliegt, naja 🙂

„Istanbul“
Istanbul hat auch einige thematische Elemente. Da gefällt mir die Teestube am besten. Wir chillen bei einem Glas Tee und zocken um ein bisschen Geld. Schön. Märkte verlangen immer andere Waren. Der Edelsteinhändler verkauft die Rubine teuerer, je weniger er davon hat. Die Wagnerei pimpt den Wagen. Nett von ihnen. Aber warum geben sie mir auch einen Rubin als Bonus wenn ich einen großen Wagen hab? Was sind die Moscheeplättchen? Bonuskarten?

„Dominion“
Relativ unthematisch. Die Effekte der einzelnen Karten haben oft nichts mit den Karten selbst zu tun. Es gibt natürlich Ausnahmen. Ein Dieb stiehlt Geld, Spione spionieren…soweit so gut. Aber warum ein Holzfäller 2 Geld bringt und eine einen Extra Kauf … tja … wer dafür eine passende Erklärung findet, kann sie mir gerne schreiben 🙂

„Zug um Zug“
Hauptelement sind farbige Waggonkarten. Warum auf manchen Strecken nur bestimmte Farben verwendet werden dürfen, oder man für nicht erfüllte Tickets Minuspunkte bringen hat auch nichts mit dem Thema zu tun.
Ebene 2: Die Mechanismen

Wie thematisch werden die einzelnen Spielelemente zu einem großen Ganzen verbunden?

„Catan“
Neben dem Handelsmechanismus der doch sehr viel an Thema reinbringt, gibts ja noch die Würfel, die hier nicht ganz so thematisch daherkommen. Vor allem beim Weizen. Das Wetter muss auf dieser Insel echt verrückt spielen, wenn einmal kurz hintereinander mehrmals geerntet werden kann und danach jahrelang nicht.

„Colt Express“
Machen wir uns nichts vor Die Mechanik hat überhaupt nichts mit dem Thema zu zun.

„Dominion“
Wir fangen mit unserem „Königreich“, dem Kartenstapel, an. Unser Monarch reitet durch die Lande und sieht überall nach dem Rechten. Natürlich hat er je nach Gegend in der er sich aufhält, immer wieder eine andere Umgebung. Hat er sein ganzes Königreich einmal abgereist, fängt er wieder von vorne an. Sehr pflichtbewusst der Mann. Damit es ihm nicht langweilig wird, nimmt er diesmal eine andere Route. Die Dinge die er in Auftrag gegeben, bzw. Leute die er eingestellt hat, trifft er jetzt.

Also die Mechanik macht schon Sinn. Da tun sich andere Spiele desselben Genres sehr schwer, den Stapel, Beutel oder was auch immer zu erklären.

„Istanbul“
„Geschäftiges Treiben herrscht im Basarviertel von Istanbul. Kaufleute eilen mit ihren Gehilfen durch die engen Gassen und versuchen stets, ihren Konkurrenten eine Nasenlänge voraus zu sein.“

Und genau das, ist das was uns erwartet. Wir bewegen uns von Ort. Einer unserer Gehilfen macht die Arbeit, ist danach aber zu erschöpft um weiterzugehen. Ständig versuchen wir schneller als die anderen zu sein. Sonst wird man die Waren nicht mehr los oder die Nachfrage nach einem anderen Gut ist gerade höher. Hat er gar keine Gehilfen mehr, macht er gar nichts. Man hat sich ja nicht jahrelang hochgeschuftet um wieder den Karren schleppen zu müssen 🙂

„Zug um Zug“
Im Prinzip ziehen wir Karten oder spielen Karten aus, um Strecken zu beanspruchen. Das jemand anders dieselbe Strecke nicht beanspruchen kann, kann über das „Wetten“ Thema vielleicht noch erklärt werden. Aber warum ich in einem Zug eine Strecke an der Ost- und im nächsten eine an der Westküste abfahren kann, bleibt ungelöst. Ein Fall für die X-Akten.

Was haltet ihr von dieser Einteilung? Ich würde mich über Feedback freuen 🙂
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3 Gedanken zu “Thema des Tages: Thema

  1. Ich empfehle einfach mal diesen Artikel:
    http://www.leagueofgamemakers.com/theme-vs-mechanics-the-false-dichotomy/
    Der sagt imho alles, was zu „Thema und Mechanik“ zu sagen ist. 😉

    Bei dir kann ich nicht so recht folgen. Die Einteilung ergibt für mich nur bedingt Sinn, Ebene 0 und 1 finde ich völlig trivial, das kriegt jedes Spiel hin. Bei Ebene 2 wird es spannend, und mir fehlt eine Ebene 3, die irgendwas mit „Atmosphäre, Rollenspiel, Spielgefühl“ mitbringt.

    Ein paar Details noch:
    Dominion ist mein letzter Kandidat für „Thema und Mechanik passen zueinander“, das Thema ist für mich einfach nur lieblos draufgepopelt, und die zig Klone zeigen, dass der Mechanismus in jedem beliebigen Setting funktioniert. Und atmosphärisch ist er nirgendwo. 😉
    In einem comichaften, kindgerechten Western kann man zum Beispiel NATÜRLICH Leute von einem Wagon in den anderen kloppen.
    Und die Handelshäfen in Catan sind nicht vorgebaut, sondern an diesen Orten kann man sich am besten in Handelswege einklinken… wenn man dort einen Hafen baut. Oder so… 😉

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  2. Hallo 🙂

    Hmmm … Deine 3. Ebene wäre für mich die Summe der anderen Teile. Stimmung + Elemente + Mechnik.

    Der Kartenstapel als Mechanismus funktioniert zwar in jedem Setting aber nehmen wir mal Thunderstone. Was IST dort der Kartenstapel? In Dominion stell ich es mir wie gesagt so vor, dass ich als Monarch im Stil von Karl dem Großen in der Gegend rumreite und je nachdem wo ich grade bin habe ich andere Mittel zur Hand. In Thunderstone frage ich mich, warum meine Zaubersprüche erst auf den Ablagestapel landen? Oder warum ich nie alle Mitglieder meine „Party“ auf der hand habe.

    So ich muss los und werde später noch was schreiben 😉

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  3. Der Comicvergleich stimmt natürlich. Da hast du vollkommen recht und deine Erklärung für die Handelshäfen in Catan ist sehr logisch … jetzt versteh ichs 🙂

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