Yangtze

Man hats nicht leicht als Händler. Die Konkurrenz schnappt einem gerne Mal vor der Nase den besten Deal weg und der letzte Kaiser hat eine Spende für alle unsere Niederlassungen verlangt. Wenn das der Opa erleben würde! Naja … es hat auch positive Seiten. Der neue Kaiser sagt wir dürfen eines unserer Güter gegen etwas anderes eintauschen … Wuhu … Lange lebe der Kaiser!

Eckdaten

Autor: Reiner Knizia
Design: Klemens Franz
3D-Shot: Andreas Resch
Verlag: Piatnik (Verlagsseite)
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 2 – 4
Dauer: 35 – 60
Schachtelgröße: 31,6cm x 30cm x  7,6cm
Preis: 25 – 30 €

Ausstattung

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Das Spiel besteht aus ein 4 guten Sichtschirmen, Papplättchen, ein paar Karten und einem Beutel für die Plättchen. An der Materialqualität gibt es nichts auszusetzen.Vor allem das Spielbrett mit dem Fluss, in dem man schön die Plättchen reinschieben kann gefällt mir sehr. Ebenso wie die Plättchen selbst. Ich finde, sie liegen gut in der Hand.

Grafische Gestaltung

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Der Grafikstil gefällt mir. Die Grafiken sind gut unterscheidbar. Kartensymbole sind auch sehr schnell klar. Für Farbenblinde sind die Waren auch mit Symbolen versehen. Gut gemacht.

Aufbau

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Aufbau für 4 Spieler.

Spielfeldgröße: 29cmx29cm für das Spielbrett und ca 50cm x 15cm pro Spieler
Aufbauzeit: ca 2:00

Thema

Wir sind eine Familie von Händlern die auf dem Yangtze Handel treibt und weitere Niederlassungen gründet.

Besonderheiten

Unser Ziel in Yangtze ist es, möglichst viel Profit zu machen. Deswegen werde ich hier mehr darüber erzählen wie das geht. Auf dem Spielfeld befindet sich der Fluss.

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Waren sind günstiger, je weiter unten sie auf dem Fluss sind

Am Flussufer befinden sich 8 Handelshäuser. Je weiter es den Fluss hinuntergeht desto billiger bekommt man die Waren. Immerhin wollen die auch noch ihr Zeug loswerden, bevor es (theoretisch) nach Shanghai weiter geht.

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Gewöhnliche Waren sind von türkisem Wasser umgeben. Luxusgüter sehen alles in allem wertvoller aus und sind von blauem Wasser umgeben.

Wie können wir jetzt Profit machen? Wir verkaufen Warenbündel. Alle Waren die man besitzt werden während des Spieles hinter dem Sichtschirm gebunkert. Waren gibt es in 2 Kategorien. Luxusgüter und gewöhnliche Waren. Die einen bringen mehr Profit und sind aber rarer die anderen sind häufiger und rentieren sich erst, wenn man viele davon hat.
Ein Warenbündel besteht immer aus Waren einer Kategorie mit gleicher Farbe (bzw. Symbol) oder gleichen Typs (z.B. Teekannen).

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Niederlassungen in den unterschiedlichen Farben. Die Punkte auf der Unterseite sind für Gleichstände wichtig

Wofür gibt es noch Geld? Wurden Waren vom Fluss gekauft, werden wieder Plättchen aus dem Beutel nachgezogen. Darunter befinden sich auch Niederlassungen. Werden diese gezogen so werden sie sofort versteigert. 4 verschiedene Gebäudetypen auf braunem oder grünem Hintergrund. Hier wollen wir Sets sammeln, bzw. können die Mehrheit an Gebäuden einer Sorte anstreben. Dafür gibt es am Ende auch Geld. Niederlassungen liegen vor dem Sichtschirm und sind für alle einsehbar.

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Sichtschirm von hinten. Oben sieht man wieviel Geld man für die Niederlassungen bekommt. Unten links – Luxusgüter und unten rechts die gewöhnlichen Waren.

Last but not least … Jeder Spieler bekommt einen identischen Satz an Karten. Jede kann man einmal im Spiel verwenden. Davon sind 3 Liquiditätskarten mit denen man sich eine Finanzspritze holen kann. Wer sie nicht verwendet, bekommt bei Spielende nochmal 30 Geld

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Der Kartensatz. Mit den oberen kann man besondere Aktionen durchführen und die unterene geben während des Spieles bzw. bei Spielende nochmal Geld.

Ist man an der Reihe so darf man 2 Aktionen durchführen. Zuerst kann man ein Warenbündel verkaufen. Danach kann man 1 Ware vom Fluss kaufen. Kauft man eine so füllt man nach dem Kauf von hinten wieder auf und der Rest wandert zum nächsten Handelshaus weiter. Wird, wie oben schon erwähnt eine Niederlassung gezogen wird diese sofort versteigert.

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Ich kaufe dieses Luxusgut für 4 Geld. Die anderen Plättchen rutschen nach und ans Ende kommt eine neue Ware aus dem Beutel.

Das Spielende wird durch Herrscherplättchen angegeben. Von denen sind auch 12 im Beutel. Sie repräsentieren die Herrscher der Qing Dynastie. Wurden alle 12 gezogen ist das Spiel vorbei. Zusätzlich löst jeder Herrscher auch ein kleines Ereignis aus. Mal gibts für bestimmte Niederlassungen extra Geld oder man muss Strafzahlungen leisten etc.

Eine weitere Möglichkeit wie das Spiel enden kann, ist wenn alle Spieler in einer Runde keine Aktion durchführen.

Einstieg & Wiedereinstieg

Regelumfang: Eigentlich wenig Regeln
Einarbeitungszeit: Um ein Gefühl für das Spiel zu bekommen braucht man schon eine Partie.

Die Anleitung ist gut geschrieben. Danach waren keine Regelfragen offen.

Preis/Leistung

Zu haben ist das Spiel für derzeit ca 27€. Das ist für mich ein fairer Preis.

Meine Meinung

Was gibt es Negatives über dieses Spiel zu sagen? Spoiler – das ist der große Punkt für mich. Die Münzleiste bzw. die Münzmarker. Das ist meiner Meinung nach die größte Schwachstelle des Spieles. Warum?

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Die Münzleiste

Die Leiste geht bis 60. Hat man über 50 so kann man sich einen 50er Marker nehmen. Ab 60 muss man. Das führt zu folgender seltsamen Situation. Angenommen ich habe 45 Geld und erhalte weitere 20. Das macht dann 65 Geld … Yeah Volksschulmathematik…. Nun gut. Die Leiste geht bis 60 aber ich kann nicht einfach den Marker auf die 5 setzen, weil die Münzen die man bekommt ja 50er sind. Dh. man setzt den Marker stattdessen auf die 15.  Ich hoffe das kommt geschrieben so rüber, wie es sich in meinem Kopf anhört 🙂
Meiner Meinung nach ist das vollkommen unnötige geistige Mehrarbeit die man machen muss. Jetzt nicht wer weiß wie fordernd aber seien wir uns ehrlich: wir Spieler sind verwöhnt. In so ziemlich jedem Spiel wo man Punkte bekommt und einmal „die Runde“ hat, bekommt man einen Marker der das anzeigt und man startet quasi wieder bei 0. Das ich hier diesen 10er Sprung bzw. eine Subtraktion machen muss hat bis jetzt in jeder 1. Partie zu mindestens einem Fehler geführt. Dieser Bruch mit der Konvention ist für mich vollkommen unverständlich.

Warum kommt der Fehler nur in der 1. Partie vor. Ich wollte schauen wie jede Gruppe reagiert. Ab der 2. Partie lasse ich die Leiste nur mehr bis 50 laufen. Spielerisch sehe ich keinen Unterschied aber 1. ist zählen in einem 50er Rhytmus für uns normaler und 2. kann ich einfach wieder von vorne anfangen.

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Die unterschiedlichen Herrscherplättchen

Neutrale Punkte gibt es keine.

Abgesehen davon gefällt mir dieses Spiel gut. Die Gestaltung ist schön. Das Spielbrett passt auf fast jeden Tisch, die Sichtschirme sind stabil, die Spielregel lässt keine Fragen offen. Vom Ablauf her ist es es ein Sammelspiel. Man sammelt Sets und verkauft sie wieder.

Spannend wird es bei den Bietrunden.Obwohl man hier in der 1. Partie gerne über das Ziel hinausschießt und zuviel bietet.Wie viel ist einem eine Niederlassung wert? Kann man den anderen dazu bringen zuviel zu bieten? Das sorgt für Interaktion am Tisch. Grade weil man nicht genau weiß, wann Versteigerungen kommen. Es kann gut sein, dass auf einmal 3 Versteigerungen hintereinander sind. Wer zu diesem Zeitpunkt schon sein ganzes Geld verpulvert hat, schaut drein wie ein Uhu nach dem Waldbrand.

Die Karten der Spieler haben alle ihren Zweck. Anfangs dachte ich: Aha…warum gibt es eine Liquiditätskarte die mir nur 10 Geld gibt. Da nehm ich natürlich zuerst die 20er Karte. Der Dreh ist, dass es ein Herrscherplättchen gibt mit dem man eine bereits verwendete Liquiditätskarte wieder zurückkaufen kann. Der Preis. Das Geld, dass die Karte davor gebracht hat. Der Nutzen. Natürlich die 30 Geld für die Endwertung. Aber wann welches Plättchen gezogen wird, weiß man eben nicht.  Apropos Herrscher.

Diese verleihen dem Spiel noch mehr Eigenständigkeit. Sie bringen ein chaotisches Element mit, dass ich thematisch ansprechend finde. Du musst dein Geschäft eben so führen, dass du auch mit den unterschiedlichsten Herrschern fertig wirst. Vor allem mit denen die einem Steuern um die Ohren schmeißen. Auch hier kommt Spannung ins Spiel, weil man eben nicht genau weiß, wann das Spiel endet. Wenn nur mehr 1 Herrscher fehlt aber jeder noch Waren kaufen möchte, schwitzt man bei jedem Griff in den Beutel.

Zu guter letzt, gefällt mir die Hommage an Go mit dem alternativen Spielende. Wenn alle Spieler das Gefühl haben, dass ihnen ein Zug nichts bringt und passen ist es sofort vorbei.

In Summe halte ich Yangtze für ein gutes Handelsspiel, dass durch ein Bietelement und andere Unsicherheitsfaktoren noch einen zusätzlichen Reiz hat. Ich muss am Ende aber doch noch ein wenig abziehen. Warum? Yangtze ist eigentlich das 1. Spiel dieser Art (recht seriöse Handelsspiele) das ich gespielt habe. Die die ich kenne, hatten ein Brett dazu mit anderen Aktionen oder waren lockerer oder hatten nur einen punktuellen Bietmechanismus. Hier ist das ganze puristischer.
Das trifft aber nicht ganz meinen Geschmack.Nicht falsch verstehen. Ich spiele es gerne mit und das wird noch öfter der Fall sein, weil es zwei Leuten ganz gut gefallen hat aber meine 1. Wahl wäre es nicht.

Befriedigend+

Empfehlung

Wer gerne mit Geld hantiert, kauft, verkauft, investiert und ein Gefühl für Zahlen hat sollte sich das Spiel anschauen.
Wer schon beim Gedanken an ein etwas zahlenintensiveres Spiel reißaus nehmen möchte, sollte sich wo anders umsehen.

Vielen Dank an Piatnik für das Rezensionsexemplar!

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4 Gedanken zu “Yangtze

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