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Manhattan

Es gibt ja Menschen die behaupten: „Früher war alles besser“. Gut, dass es von Brettspielen Neuauflagen gibt. Heute schau ich mir ein Spiel an, dass über 20 Jahre alt ist. Auf geht’s nach Manhattan und Honkong und Buenos Aires … glaub ich halt 🙂

Eckdaten

Autor: Andreas Seafarth
Illustrationen: Jacqui Davis
Verlag: Hans im Glück im Vertrieb von Schmidt Spiele (Verlagsseite)
Erscheinungsjahr: Neuauflage 2017. Erstauflage 1994
Spieleranzahl: 2 – 4
Dauer: <45min
Schachtelgröße: 27cm x 27cm x 6cm
Preis: 35 – 40€

Ausstattung

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Ein Spielplan, ca 100 Plastikteile und ca 50Karten. Alles von sehr guter Qualität.

Grafische Gestaltung

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Gefällt mir eigentlich ganz gut.

Aufbau

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Spielfeldgröße: 70cm x 70cm
Aufbauzeit: ca 2min

Thema

Wir errichten in mehreren Städten der Welt Wolkenkratzer und versuchen da am besten abzuschneiden.

Besonderheiten

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Der Spielplan ist in mehrere Städte zu je 9 Bauplätzen aufgeteilt. Hier errichten wir unsere Wolkenkratzer. Dafür benötigt man Bausteine. Die gibt es in der Größe von 1 – 4 Stockwerken.

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Mit dieser Karte kann ich auf einem Blauplatz links oben bauen.

Zusätzlich gibt es noch Baukarten. Diese zeigen wo man bauen kann. Die Spieler sollten an jeder Seite des Spielbretts sitzen, weil die Baukarte immer so vor einen ausgespielt wird, dass man die Illustration „richtig“ sehen kann.

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Wenn die anderen dieselbe Karte spielen, sind es aus meiner Sicht andere Bauplätze.

Gespielt wird über mehrere Runden. Man hat seine 4 Baukarten auf der Hand und wählt nun die Bausteine (6 bzw. 4) aus die man in dieser Runde verwendet.

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Meine Teile für diese Runde.

Danach baut, beginnend mit Startspieler, jeder Spieler ein Bauteil bis alles verbaut wurde.

Wie wird nun ein Bauteil gebaut? Dazu spielt man 1 Baukarte vor sich aus und zwar hochkantig. Diese gibt einen Bauplatz vor. Die Stadt wählt man selber aus. Man kann auf einem freien Platz und einem Platz wo ein eigenes Stockwerk steht ohne Probleme bauen.

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Rot platziert 1 Stockwerk auf dem Gebäude von blau. Beide kontrollieren ein Stockwerk aber rot ist am weitesten oben dh. rot kontrolliert das Gebäude.

Man kann aber auch Bauteile auf Bauteile anderer Spieler platzieren. Dazu muss man danach mindestens genau so viele Stockwerke des Gebäudes besitzen als der Spieler der zuvor ganz oben war.
Der Spieler der das oberste Stockwerk eines Wolkenkratzers besitzt ist der Besitzer des Gebäudes.

Nach dem setzen eines Bauteils zieht man eine neue Baukarte und der nächste ist dran.

Am Ende einer Runde bekommt man Punkte für den höchsten Wolkenkratzer auf dem Spielplan, für die Mehrheit in den einzelnen Städte und für jedes eigene Gebäude.

Einstieg & Wiedereinstieg

Regelumfang: sehr einfach. Das waren vorhin fast alle Regeln.
Einarbeitungszeit: Gering

Preis/Leistung

Das Spiel kostet derzeit ca. 40€. Wenn man nur so liest, was in der Schachtel ist denkt man sich schon … naja…schon teuer. Aber wenn man das Material anfasst, wird man wissen wieso. Die Qualität stimmt hier einfach.

Meine Meinung

Richtig große Kritikpunkte hab ich keine … aber ein paar Anmkerungen. Das Spiel heißt zwar Manhattan aber man errichtet auf der ganzen Welt Wolkenkratzer. Das stört beim Spielen zwar nicht, hat mich aber anfangs etwas verwirrt.
Das neue frabenfrohe Design gefällt mir eigentlich ganz gut, lediglich bei den Charakter „Tableaus“ hätte man noch andere Charaktere auf die Rückseite geben können, so bleibt die eben weiß…Detail am Rande.

Apropos Detail am Rande. Bei so einsteigerfreundlichen Spielen und auch Neuaflagen finde ich es eigentlich ganz gut, wenn man ein paar Varianten mit reinpackt. Bei einem Spiel das über 20 Jahre alt ist gibts da sicher ein paar Ideen. Das wäre für die Wiederspielbarkeit noch ein kleiner Sprung nach vorne.

Kommen wir zu den Spielerzahlen. Zu viert finde ich es am besten. Zu dritt ist es auch gut aber 6 Städte bei 3 Spielern teilt sich schon gern auf 2 – 2 – 2 auf. Da ist die Anfangsphase etwas vorprogrammiert. Zu zweit spielt jeder mit 2 Farben. Das reizt mich persönlich nicht wirklich.

Letzte Anmerkung, die der Form halber dabei ist. Es ist ein Spiel bei dem es um Gebietskontrolle geht. Dh es kann zu Situationen kommen, wo ein Spieler ein Stockwerk in einer Stadt platziert und einem von 2 Spielern die Mehrheit nimmt und dort zum Königsmacher wird.

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Kommen wir zu den positiven Dingen. Man merkt dem Spiel das Alter nicht wirklich an. Auch in voller Besetzung spielt es sich in weit unter einer Stunde. Im Gegensatz zu anderen älteren Brettspielen ist das echt gut. Das passt eher zu aktuelleren Titeln im Gelegenheitsspielerbereich die auch ungefähr die gleiche Spieldauer haben. Ich hatte nie das Gefühl das es länger dauert als es dauern sollte.

Die Regeln sind auf einem Blatt zusammengefasst. Also echt knapp und Fragen gabs keine. Dadurch ist es auch gut geignet um es spontan aus dem Schrank zu holen.

Die Haptik der Bauwerksteile finde ich sehr schön. Einen Turm in die Landschaft zu setzen oder Stockwerke auf die Gebäude der Mitspieler macht schon Laune und am Ende sehen die Syklines gar nicht mal schlecht aus.

Das Material finde ich auch toll. Die Karten sind dick, die Stockwerke robust und lassen sich ohne Probleme zusammenbauen und auseinander nehmen. In der Schachtel hat auch alles seinen Platz und wer will kann sogar alles in Beutel packen.

Die Gestaltung des Spielplans ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Ich dachte, naja konkrete Städte wären besser blablabla…Mittlerweile gefällt es mir gut. Ist es wirklich wichtig, welche Stadt man ausbaut?  Da gäbe es nur Stimmen die sagen: Aber Stadt X ist doch viel besser geeignet als Y. Wenn ich mir die Spielpläne der alten Auflagen ansehe ist es ein gewaltiger Sprung nach vorne. Obs jetzt die seltsame alte Leiste oder der, mM nach, doch sehr hässliche Spielplan ist. Hier hat man eine angedeutete Erde mit allen Kontinenten als Hintergrund, was es natürlich viel bunter macht als Großstadt-Grautöne.
Ja … die wären realistischer aber seien wir ehrlich. Das ist nicht wirklich relevant für das Spiel, die Farbe macht mehr Laune und gibt dem Spiel eine Leichtigkeit die es hat. Es ist ein unterhaltsames, lockeres Spiel, dass man mit so ziemlich jedem spielen kann. Die Grautöne lassen es doch abschreckender und komplexer wirken als es ist.

Obwohl das Spiel so einfache Regeln hat, merkt man doch die unterschiedlichen Spielertypen. Da gibts die die am Anfang jeden Konflikt scheuen und leere Bauplätze verbauen um massig Punkte über Gebäude zu machen. Es gibt den der schnell versucht das höchste Gebäude zu kontrollieren und den, der die Bauwerke anderer Spieler einkassiert sobald er die Möglichkeit hat…und natürlich ein Mischmasch aus allem. Sowas gefällt mir auch gut. Es zwingt einen nicht nach einem bestimmten Schema zu spielen.

Das Spiel hat natürlich einen nicht geringen Glücksfaktor. Immerhin zieht man die Baukarten von einem Stapel und da kann es auch blöd laufen. Ich habe z.B. in einer Partie 3 gleiche Karten auf der Hand gehalten, die ich aber nicht wirklich einbauen konnte. Trotzdem. Ich kann je nach Handkarten und Positionen der Mitspieler planen, welche Bauteile ich einbauen will. Die Entscheidung ist nicht so leicht.

Noch ein großer Pluspunkt. Das Spiel ist interaktiv. Wenns es auch nur halbwegs so abläuft wie bei uns wird geredet werden … viel. Da diskutieren zwei wie man am besten die Mehrheit von Andreas knackt, weil er in der letzten Wertung ziemlich davon gezogen ist…ja … wieder Mal nicht aufgepasst… und die Situation auf dem Spielbrett kann sich zwischen den Wertungen auch sehr schnell ändern. Oder man streitet sich mit seinem Gegenüber der sein Gebäude ausgebaut hat und nun 2 Stockwerke höher ist. Buttert man auch weitere Ressourcen hinein oder ist man sogar froh darüber, dass Christian dort hingebaut hat anstatt wo anders?  Der Faktor Mensch spielt eine große Rolle.

Manhattan ist ein einsteigerfreundliches, kurzweiliges Spiel mit tollem Material. Das erinnert an moderne Spiele wie Splendor oder Century. Im Gegensatz zu denen setzt es viel mehr auf Interaktion.

Gut

Empfehlung

Um es nochmal zu betonen. Es gibt im Spiel recht viel interaktion, weil die Bauplätze nun mal beschränkt sind. Bei uns in der Runde passt das und mein Vater hat mehr Spaß daran mir die Gebäude zu klauen als er eigentlich haben sollte aber ich kann mir auch vorstellen, dass es Runden gibt die genau das nicht mögen.

Ansonsten. Wenn man kein strategisches Schwergewicht erwartet bekommt man hier ein unterhaltsames Spiel, das auch für Einsteiger geeignet ist.

Vielen Dank am Schmidt Spiele für das Rezensionsexemplar!

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Viticulture: Essential Edition

Heute verschlägt es uns in die Toskana. Aber nicht um Urlaub zu machen, sondern zum arbeiten … Unsere Eltern haben uns ein etwas desolates Weingut hinterlassen. Zeit wirds da Hand anzulegen…

Eckdaten

Autor: Jamey Stegmaier, Alan Stone, Morten Monrad Pedersen
Illustrationen:  Jacqui Davis, David Montgomery, Beth Sobel
Verlag: Feuerland Spiele (Verlagsseite)
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 1 – 6
Dauer: ca 60
Schachtelgröße: 22cm x 27cm x 10,5cm
Preis: ~50€

Ausstattung

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Robuste Schachtel, schöne Holzfiguren, gute Pappmarker, Glasperlendingens und Karten die sich fast wie Plastik anfühlen. Keine Ahnung was das ist aber es ist toll uuund ein schön gestalteter dicker, Spielplan. Als Krönung gibts noch ein superpraktisches Inlay.
Das Schachtelformat ist etwas ungewöhnlich aber auch das passt gut.

Grafische Gestaltung

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Ich finde die Illustrationen gut gelungen. Interessanter Grafikstil.

Aufbau

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Spielfeldgröße: 58cm x 40cm + ca 35cmx20cm pro Spieler
Aufbauzeit: ca 3:00min

Thema

Wir haben von unseren Eltern ein Weingut in der Toskana geerbt (soll nichts schlimmeres passieren). Leider ist es ein wenig heruntergekommen. Also bauen wir es auf, organisieren Touren durch unser Weingut ernten die Trauben und produzieren Wein um Aufträge zu erfüllen.

Besonderheiten

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Dank Mama Nici bekommen wir zu Spielbeginn zwei Arbeiter (werden wohl unsere Cousins sein), zwei grüne Rebenkarten und 1 Auftragskarte. Papa Kozi spendiert uns 2 Lira einen großen Arbeiter … Wahrscheinlich unser Onkel. Er lässt uns die Wahl ob wir mit einem Cottage oder 4 weiteren Lira starten.

Zu Beginn des Spieles zieht jeder eine Mama- und eine Papakarte. Diese verändert die Startbedingungen für die Spieler. Zusätzlich bekommt jeder ein Tableau und 3 Karten für jedes seiner Anbaugebiete.

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Unser Tableau. Oben kommen die Weinbaugebiete hin. Links unten lagern die Trauben und rechts unten die Weine.

Eine Runde stellt ein Jahr dar.

Man startet also in der Frühlingsphase.Hier setzt der Startspieler seinen Marker auf ein Feld der Leiste. Die Leiste geht von 1-7. Je weiter unten er einsetzt, desto besser der Bonus aber desto weiter hinten liegt man in der Zugreihenfolge.

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Die Einsetzleiste die die Reihenfolge in diesem Jahr bestimmt. Auf der 2er Position gibt es eine Rebenkarte bei der 7 einen Extra Arbeiter für das Jahr.

Das machen die Spieler nacheinander. Bis zum Ende des Jahres gilt jetzt die Reihenfolge auf der Leiste.

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Sommerfelder sind gelb unterlegt und die des Winders bläulich.

Ab geht es in den Sommer. In Spielerreihenfolge darf jeder eine Figur auf ein freies Sommerfeld einsetzen und sofort die Aktion ausführen. Möchte man nichts mehr einsetzen, so passt man.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Haben alle gepasst so geht es in den Herbst. Im Herbst zieht jeder Spieler eine Besucherkarte von einem der zwei Stapel.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Im Winter darf man wie im Sommer seine Figuren einsetzen aber die Felder auf denen man einsetzen kann sind andere. Haben alle ihre Figuren eingesetzt reifen die Weine und Trauben, man überprüft das Handkartenlimit und Einkommen und nimmt die Figuren vom Spielplan.

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Am Ende des Jahres wird aus unserem 4er Weißwein ein 5er. Unser Rosé altert nur mehr, wenn wir auch einen großen Keller haben.

Ein neues Jahr beginnt. Das Spiel geht solange bis ein Spieler 20 Punkte erreicht. Das Jahr wird dann noch zu Ende gespielt.

Einstieg & Wiedereinstieg

Regelumfang: ein paar Seiten zu lesen.
Einarbeitungszeit: Das Spiel ist nicht besonders schwierig zu verstehen aber grade in der ersten Partie hat es seine Tücken. Da vergisst man schon Mal gerne den Wein reifen zu lassen oder die doch etwas dynamische Reihenfolge beim Einsetzen.

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Informationen am Spielfeldrand

Positiv hervorheben kann man noch die Zusammenfassung der Spielregeln. Hat man die Anleitung gelesen, braucht man nur mehr dieses Blatt – wenn überhaupt, denn auf dem Spielbrett findet man auch die wichtigsten Infos.

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Seite 1 des Regelblattes

Preis/Leistung

Das Spiel ist für 50-60€ zu haben. Wir sind also schon im eher höherpreisigen Segment angelangt. Im Gegensatz zu anderen Bereichen wie Technik, Mode uä. sehe und fühle ich hier aber warum das so ist.

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Die Gebäude die man errichten kann

Das Material ist erstklassig. Die kleinen Gebäude und Meeple fühlen sich gut an, die Karten sind sehr haltbar, die Schachtel ist robust, der Schachteleinsatz ist gut, die Pläne sind stabil. Ganz besonders haben mir es die Glasteile angetan. Das ist Mal eine sehr clevere Idee.

Das Spiel ist zumindest mit 1,2,3 und 5 Spielern sehr gut spielbar, da die Anzahl der zur Verfügung stehenden Felder sich schön selbst reguliert.

Meine Meinung

Kommen wir zu einem ganz kurzen Punkt. Was gefällt mir nicht? Auf dem Tableau der Spieler soll man die Karten für die Weinbaugebiete ablegen und auf diese kommen kann die Reben…so die Theorie… Dabei kippen die Weinbaugebietskarten aber oft und machen das zu einer ziemlichen Fummelei. Das stört ein wenig. In der Anleitung wird darauf hingewiesen, dass man die Gebietskarten auch weglassen kann. Genau das hab ich gemacht. Nur wenn ein Gebiet verkauft wurde, platziere ich hier etwas.

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Neutrale Punkte hab ich ein paar für die Vielspieler. Manche Felder sind meiner Meinung nach nicht so nützlich wie andere bzw. nimmt der Nutzen während des Spieles stark ab. Der Marktstand, auf dem Trauben/Gebiete verkauft, fällt hier besonders auf. Ganz ehrlich. Ich hab nun fast 20 Partien gespielt und ich kann mich nicht erinnern, dass ich einmal Trauben VERkauft habe (vielleicht forciere ich das mal). Ich hätte aber gerne welche GEkauft, was nicht möglich ist. Gebiete verkaufe ich relativ häufig, da das managen von 3 Gebieten eh etwas aktionsintensiv ist und man zu Beginn echt knapp bei Kasse ist. Aber das macht man 1-2 Mal pro Partie und das wars.
Ein weiterer Punkt ist da auch das Geld. Je weiter das Spiel voranschreitet desto unnötiger ist es. Db. man hat bei Spielende zwar mehr Einkommen aber kaum Möglichkeiten relevante Dinge damit zu machen. Da fehlt mir was, durch das ich hier flexibler bin.

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Was den Strategen ein wenig missfallen kann, sind Zufallselemente beim Ziehen der Karten. Bei den Besuchern ist es ziemlich gut verkraftbar, weil die meisten mehrere Effekte haben, je nachdem in welcher Phase des Spiels man sich befindet. Bei den Aufträgen und den Reben fällt es viel stärker auf. Manchmal bekommt man einfach keinen Auftrag um seine hochwertigen Weine loszuwerden.

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Was gefällt mir?

Ich mag das Thema. Das ist etwas, dass man nicht so häufig (und so zugänglich) hat.  In der Gegend wo ich aufgewachsten bin wird relativ viel Wein angebaut und auch mein Onkel produziert etwas. Der ist zwar nur für den Eigengebrauch aber immerhin.
Das dabei nicht alles im Spiel so 100%ig stimmt, ist es verständlich. Ein zu hoher Realismusgrad würde das Spiele wesentlich komplexer machen.
Mich hatte das Spiel überzeugt, als am Ende des 1. Jahres alle Weine gereift sind. Das ist richtig schön und gibt so einen neuen Dreh in diese, doch häufig verwendete, Mechanik.

Das Material ist einfach der Hammer. Diese kleinen Holzgebäude hat ich gleich ins Herz geschlossen. Dazu noch die sehr robusten Karten und die Glassteine und die dicken Spielbretter. Das ist materialtechnisch echt eine Nummer für sich und legt die Latte recht weit nach oben.

Ich mag die Interaktion. Bei vielen Spielen in dieser Kategorie spielt man doch eher nebeinander. Das war einer der Gründe, warum ich sehr lange mit dem Kauf des Spieles gewartet hatte. Obwohl es jetzt nicht so interaktiv ist, wie z.B. Lancaster, ist es trotzdem interaktiver als z.B. Stone Age.
Spielt man mit weniger Spielern, so finde ich den Kampf um die Felder heftiger. Das Problem bei vielen Spielen dieser Art sind aber 5+ Spieler. Hier kommen aber auch mehr Besucherkarten ins Spiel. Da viele davon auch Auswirkungen auf die Mitspieler haben gleicht sich das wieder gut aus und man ist auch regelmäßig in deren Züge eingebunden.
Was man immer hat, sind die Fragen „Vor wem will ich an die Reihe kommen?“ bzw. „Wird jemand genug Punkte machen um das Spiel zu beenden?“

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Zwei der Automa Karten. Man zieht eine Karte für den Sommer und eine für den Winter und belegt die entsprechenden Felder mit anderen Figuren.

Positiv möchte ich noch den Solomodus hervorheben. Der ist sehr simpel ohne viel Schnickschnack integriert. Dazu verwendet man das Automa Kartendeck. Dieses gibt an, welche Felder der Gegner blockiert. Schwierigkeitsgrad ist regelbar und es gibt aufeinanderfolgende Szenarien die man hintereinander spielen kann und am Ende die erreichten Punkte notiert. Eine echt nette Sache, wenn mal niemand Lust hat.

Vom strategischen Anspruch her ist es eine angenehme Angelegenheit. Ich hätte noch mehr Komplexität vertragen aber so kamen auch die Wenigspieler am Tisch sehr gut zurecht. Es ist hier kein verbissener Kampf ums nackte Überleben, sondern eben Weinbau in der Toskana. Also alles ein wenig gechillter. Zurücklehnen und den Wein reifen lassen und überlegen ob ich dieses Mal nicht doch eine andere Strategie probieren. Wenns nicht hinhaut … das nächste Mal wirds besser.

Die Varianz im Spiel gefällt mir auch. Die Mama- und Papakarten sorgen für immer  ein klein wenig andere Startvoraussetzungen. Dazu kommen noch die Karten die man zieht.

Viticulture ist ein gut skalierendes und relativ einsteigerfreundliches Einsetzspiel mit tollem Material & Thema.

Gut. Falls ich mir die Tuscany Erweiterung besorge, sehe ich schon wie es weiter nach oben geht, weil die ein paar meiner Kritikpunkte ausbügelt. Blöd ist nur, dass die anscheinend nicht mehr auf deutsch kommt.

Empfehlung

All jene die wirklich strategische Brocken haben wollen, sollten Viticulture von der Liste streichen. Diesen Spielern wird es zu wenig Tiefe besitzen. Alle anderen: Wenn ihr Interesse am Thema habt und lockere Strategiespiele mögt schaut es euch Mal an.
Es ist ein „feel good“ Gesamtpaket.

Rajas of the Ganges

Heute sehen wir uns das brandneue Spiel der Brands an… Es hat Plättchen und Würfel und Figuren die man einsetzt und das ist noch nicht einmal das beste daran … Los geht’s!

Eckdaten

Autor: Inka Brand; Markus Brand
Illustrationen: Dennis Lohausen
Verlag: HUCH! (Verlagsseite)
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl: 2 – 4
Dauer:45 – 75min
Schachtelgröße: 29,5cm x 29,5cm x 7cm
Preis:

Ausstattung

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Das Spiel ist prall gefüllt mit Plättchen, Würfeln und Tableaus.

Grafische Gestaltung

Die Gestaltung von Dennis Lohausen finde ich sehr gelungen.

Aufbau

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Spielfeldgröße: 78cm x 43cm + 26cm x 33cm pro Spieler
Aufbauzeit: ca. 4min

Thema

In einer Zeit des Friedens, bauen wir unsere Ländereien aus und treiben Handel usw. Dabei ist Karma wichtig und auch das Wechselspiel zwischen Ruhm und Reichtum muss bedacht werden.

Besonderheiten

Wer sich für eine detaillierte Regelerklärung interessiert. Hier ist ein schönes Video des Autorenduos:

Das Spiel ist ein Einsetzspiel bei dem wir unsere Figuren auf dem Spielplan platzieren und Aktionen auslösen. Die Würfel dienen als „Rohstoff“.

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Es gibt vier verschiende Würfelfarben.

Der Reihe nach setzt die Spieler eine Figur nach der anderen ein und führen die entsprechende Aktion aus.

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Unser Spielertableau. Von userer Residenz (oben) ausgehend legen wir Plättchen an. Bauen wir Verbindungen zu den Rändern aus erhält man Belohnungen (Handelsbeziehungen quasi)

Es gibt vier zentrale Bereiche. Steinbruch, Palast, Fluss und Markt. Ich fass mich ganz kurz zusammen.

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Ein paar Plättchen. Links oben sieht man die Würfelsumme die man in der Farbe min. abgeben muss.

Ganz wichtig ist der Steinbruch. Hier kann man gegen Würfel eins der 12 offenen Plättchen nehmen und in das eigene Tableau einbauen. Auf den Plättchen findet man neben Wegen auch Märkte und Gebäude. Jeder Markt ist einer der 3 Waren zugeordnet. Wenn man ihn einbaut bekommt man sofort den aufgedruckten Geldbetrag. Gebäude gibt es vier verschiedene. Sie bringen Siegpunkte. Der Wert richtet sich nach der Ausbaustufe dieses Gebäudes.

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Hier sehen wir die Ausbaustufen des Palasts. Jedes der Gebäude kann von einem Spieler 2 Mal ausgebaut werden. In diesem Beispiel bekommt Spieler Gelb für einen Palast 3 Punkte, grün aber nur 2 Punkte.

Im Palast bekommt man neue Würfel, kann Würfel eintauschen, neu würfeln und Sonderaktionen aktivieren. Am Markt bekommt man Geld für die Märkte die man bereits errichtet hat. Der Fluss ist eine Leiste mit Aktionen auf der man sich entlang bewegt. Hier kann man nur niedrige Würfelwerte einsetzen.

Und am Ende gewinnt der mit den meisten Punkten werdet ihr sagen – Falsch. Am Spielfeldrand findet ihr zwei Leisten die einander entgegengesetzt verlaufen.

Auf der einen Leiste wird Ruhm (=Punkte) aufgetragen. Die andere Leiste zeigt das aktuelle Vermögen der Spieler an. Sobald sich die Marker eines Spielers begegnet sind, wird das Spielende eingeläutet und die aktuelle Runde fertig gespielt. Sollte es auch anderen Spielern gelingen die Endbedingung herzustellen, so gewinnt der, dessen Marker am weitesten voneinander entfernt sind.

Einstieg & Wiedereinstieg

Regelumfang: Ein paar Seiten sind es dann doch aber es ist eingängig
Einarbeitungszeit: Nach ein paar Runden gabs keine Fragen mehr, bis das Spielende eingeläutet wurde. Ab der 2. Partie war auch dann alles klar.

Preis/Leistung

Das Spiel kostet derzeit so um die 45€. Das ist jetzt nicht grade günstig aber trotzdem finde ich, dass es den Preis gerechtfertigt ist. Hier hat man 48 schöne, große Würfel, Pappmaterial von sehr guter Qualität und auch ein tolles Inlay.

Kommen wir zum Spiel selber. Es gibt neben dem Grundspiel auch zwei weitere Varianten für fortgeschrittene Spieler die man verwenden kann.

Meine Meinung

Beginnen wir mit den negativen Punkten. Da fällt mir nichts ein.

Was war solala? Ich hab mich schon ein paar Mal über fehlende Plastikbeutel beschwert. Hier sind zwar genug Plastikbeutel dabei (Daumen hoch dafür) aber sie hätten kleiner sein können. So blöd es sich anhört aber in den großen Beuteln bekommt man sie nur schwer in das Inlay.

Punkt 2: Die Geldleiste ist zwar praktisch aber da sich der Geldbetrag häufig ändert, muss man auch den Marker oft verschieben und ich kann mir vorstellen, dass das bei einem riesigen Tisch nicht so einfach ist. Auf meinem mittelgroßen Tisch geht es., weil mehrere Spieler die Marker erreichen können.

Letzter Punkt: Das Thema ist jetzt auch nicht so stark vertreten. Es gibt zwar ein paar Elemente in der Gestaltung die auf diese Ära verweisen (dazu gibt es sogar einen kleinen Anhang) aber man darf nicht erwarten, dass es eine thematische Erklärung für die Würfel gibt 🙂

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Mit gesammelten Karmapunkten, kann man Würfel wenden.

Was gefällt mir gut? Ich liebe diese Würfel. Groß und knallig. Sehr schön. Ich mag auch wie die Würfel eingesetzt werden, weil ich mit den unterschiedlichsten Kombinationen arbeiten kann. Niedrige Würfelwerte sind nicht automatisch schlecht. Auf dem Fluss kann ich mich nur mit Werten <4 bewegen. Um Startspieler zu werden braucht man eine 1. Für eine 2 bekommt man 2 beliebige Würfel und noch einen Bonus. Gegebenenfalls kann man gegen einen Karmapunkt einen Würfel wenden und so aus einer 1 eine 6 machen usw. Ich kann das Ergebnis aber nicht zu Tode modifizieren, sodass ich beim würfeln trotzdem hoffe, dass es mindestens ein 4 wird damit ich mir das eine Plättchen leisten kann. Der „Geist des Würfelns“ bleibt also erhalten.

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Um sich auf dem Fluss zu bewegen, braucht es niedrige Würfelwerte

Anfangs ist man sehr von den Würfeln abgelenkt aber das wirkliche Herz des Spiels ist das Tableau. Die großen Punkte- und Geldlieferanten sind nämlich die Plättchen. Ja was soll ich sagen. Legespiele werden bei uns eigentlich immer gerne gespielt. Dank der unterschiedlichen Ausbaustufen der Gebäude und Wege/Warenkombinationen haben die Plättchen für die Spieler einen anderen Wert. Der eine will das Plättchen weil da ein Tempel drauf is. Der andere braucht den Weg zur Außengrenze um dort eine Menge Extrageld einzusacken und ein anderer will einen weiteren Seidemarkt. Die Plättchen kann man drehen wie man will, so puzzelt man dann doch ein wenig herum, wo es denn am besten hinpasst. Wie ich schon bei den Würfeln geschrieben hab: Der Geist von Legespielen bleibt erhalten.

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Die Personen im Palast. Hier zählen Würfelergebnisse

Kommen wir zu den Figuren. Jeder Spieler startet ja mit 3 Figuren bis zu einem Maximum von 5. Dabei gibt es aber mehrere Möglichkeiten um an die Extrafiguren zu kommen. Entweder ist man eine bestimmte Strecke auf dem Fluss gereist oder man hatte eine gewissen Ruhmeswert oder einen gewissen Geldwert. Da sollte man sich am Anfang schnell entscheiden, was man anzielt, weil ob man 3 oder 5 Figuren hat ist … ja … wichtig. Das einsetzen der Figuren ist klassisch. Auf jedem Feld kann nur 1 Person stehen. Von wichtigen Aktionen wie Plättchen bauen, Markteinkünfte oder Flussfelder gibt es mehrere Plätze aber nur das 1. Feld ist gratis. Alle anderen Kosten Geld. Und wie man weiß, jedes Goldstückchen das man ausgibt, entfernt einen auch ein Stückchen vom Sieg….ja 1 Geld kann über Sieg und Niederlage entscheiden … Ich spreche aus Erfahrung 🙂

Diese 3 Elemente werden im Spiel sehr schön miteinander verwoben. Die Essenz jedes Teils davon bleibt erhalten und es wird nicht zu komplex. So hoffe ich bei jedem Würfelwurf, dass das Ergebnis kommt, das für meine Pläne am wichtigsten ist. Die Plättchen versuche ich möglichst schön einzubauen um meine Wege nicht einzuschränken und Belohnungen an den Außengrenzen abzustauben und beim Einsetzen überlegt man auch, wo die eigenen Prioritäten liegen.

Die Leisten sind auch ziemlich cool. Das war einer der Gründe warum ich mir das Spiel zugelegt habe. Die Siegbedingung ist interessant und sorgt dafür, dass man hier tatsächlich ein Rennen ins Ziel hat (und sich Rechnerei erspart). Das Ziel ist aber nicht in Stein gemeißelt und eher eine Idee. Ich setze mir einen Schwerpunkt auf diese 2 Gebäudearten und dann schauen wir weiter.
Ich finde es thematisch gut, dass Geld hier ein wichtiger Teil der Siegbedingung ist. In den meisten Spielen bekommt man dafür einen Trostpreis an Punkten. Nett aber viel ineffizienter als wenn man irgendetwas anderes damit gemacht hätte. Ich bin ein Herrscher über eine Provinz und baue diese aus wie ich will (und mich die Mitspieler lassen). Eine Handelsmetropole mit einem Geldspeicher, wo Dagobert Duck neidisch wird? Kein Problem. Paläste und Monumente so weit das Auge reicht … leere Kassen inklusive? Aber gerne. Oder eine Mischung aus beliebigen Anteilen davon? Wie sie wünschen!

Obwohl das Ziel nicht sehr konkret ist und Würfel im Spiel sind, ist es trotzdem strategisch. Ich habe noch nach jeder Partie gesagt, tja … wenn ich da das gemacht hätte und nicht dort eingesetzt hätte usw. Ich habe hier einen Spielraum um besser zu werden, was längerfristig das um und auf für ein Strategiespiel ist.

Was ich noch toll finde, ist das Spiel mit Handicap. Das Spiel kommt ja auch mit ein paar Varianten. Eine davon verwendet die Rückseite des Spielerteableaus. Das ist ein wenig anders gestaltet. Spielt man jetzt als Veteran mit Anfängern so verwenden diese die Vorderseite und man selber spielt mit der Rückseite + ein paar Anpassungen, die es ein wenig schwerer machen. Tolle Sache!
Spielt man mit Neulingen oder Spielern die eben nicht so gut in solchen Spielen sind, kann man so das Gefälle ein wenig glätten! Sowas habe ich bis jetzt noch in keinem Spiel gesehen.

Abschließend muss ich sagen, dass ich vom Spiel überrascht war. Ich hatte ein grundsolides Spiel erwartet, dass eine clevere Endbedingung hat. Aber die drei Grundkomponenten des Spieles: Würfeln, Plättchen legen und Figuren einsetzen wurden zu einem schönen Mechanismus zusammengefügt. Dazu gibt es noch den Aspekt des Wettrennens durch die Leisten und als Sahnehäubchen gibts noch tolles Material oben drauf. Wenn ich nich schon meine Jahreshighlights verkündet hätte, würde es Rajas of the Ganges auch auch die Liste schaffen.

Gut+

Empfehlung

Alle die ein Strategiespiel im oberen Kennerspielbereich suchen, werden hier fündig.

Neulingen würde ich vom Spiel abraten.

Vielen Dank an HUCH! für das Rezensionsexemplar!