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Valletta

Heute fahren wir nach Malta … Packt den Fotoapperat und die Sonnenbrillen weg … wir sind zum Arbeiten hier … obwohl…Eigentlich sind wir mehr auf der Organisationsseite … vielleicht ist eine Sonnenbrille also doch nicht so verkehrt.

Eckdaten

Autor: Stefan Dorra
Illustrationen: Klemens Franz
Verlag: Hans im Glück (Verlagsseite)
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl: 2 – 4
Dauer: ca 15-20 min / Spieler
Schachtelgröße: 21,7cm x 22,8cm x 7,3cm
Preis: ca 32-35€

Ausstattung

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Das Spiel beinhaltet Karten von sehr guter Qualität etwas Pappe und viel Holz. Die Schachtel ist dabei trotzdem für Hans im Glück Verhältnisse sehr leicht, wenn ich es Mal mit Stone Age oder Marco Polo vergleiche. Karten und kein Spielplan macht sich da schon bemerkbar 🙂
Aber das Schachteformat find ich ja immer noch sehr gut.

Grafische Gestaltung

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Die Gestaltung hat Klemens Franz gemacht. Die Personen finde ich gut gelungen und was spannend ist, ist dass jedes der Häuser einzigartig illustriert ist. Sowohl auf der normalen als auch auf der aufgewerteten Seite. Schade ist, dass trotzdem irgendwie nicht dieses Stadtflair aufkommt. Die Häuser sind sehr freistehend mit viel Platz dazwischen. Es wirkt eher wie eine Kleinstadt oder sogar ein Dorf.

Aufbau

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Das Spielfeld ist für vier Spieler aufegbaut.

Spielfeldgröße: Auslage zwischen 55cm x 46cm und 55cm x 68cm. Zusätzlich 35cm x 10cm pro Spieler
Aufbauzeit: ca 7-8min

Thema

Wir befinden uns im 16. Jhdt. Der Malteserorden unter Jean de la Valette ist die wichtigste Kraft die für die Gründung der Stadt Valletta verantwortlich ist. Wir beteiligen uns da natürlich gerne daran.

Besonderheiten

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Die Startkarten. Mit 5 kann man sich Rohstoffe holen, ein Baumeister zum Bauen und Aufwerten von Gebäuden. Der Lehrling kopiert den Effekt einer zuvor ausgespielten roten oder grünen Karte und mit dem Valette kann man Karten loswerden, bzw. aus dem Vorrat neue bekommen.

Jeder Spieler hat zu Beginn denselben Satz von 8 Karten, nimmt sich sein Tableau und seine Häuschen. Man mischt und nimmt 5 Karten auf die Hand. Die restlichen bilden einen Nachziehstapel.

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Links – Nachziehstapel. Rechts – Ablagestapel. Ist man am Zug so spielt man 3 Karten aus.

Wenn man an der Reihe ist spielt man drei Karten aus und macht das was drauf steht. Danach zieht man wieder so viele Karten bis man 5 auf der Hand hat. Ist der Nachziehstapel leer, so mischt man den Ablagestapel und verwendet ihn als neuen Nachziehstapel.

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Errichtet man das Wohnhaus des Steinmetzes so gibt man 1 Gold, 1 Stein und 1 Ziegel ab, nimmt die Karte auf die Hand und platziert ein Haus. Die benachbarten Gebäude kosten jetzt 1 Gold weniger.

Das ist der grundsätzliche Ablauf. Schön und gut werdet ihr sagen, aber wozu das ganze. Berechtigte Frage. Wir errichten Gebäude und heuern neue  hilfreiche Personen an und da ist auch noch Jean de la Valette der das ganze Bauunternehmen begutachtet.

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Befindet sich die Figur des Valette auf den Feldern 1-5 so bekommt man für den Gebäudebau in Spalte 1, zwei Bonuspunkte.

Wie gesagt – Gebäude sind ein wichtiger Teil. Um so eins zu errichten, muss man einen Baumeister oder eine andere Karte, die einen ein Gebäude bauen lässt, ausspielen. Man gibt die Rohstoffe ab nimmt die Person auf dem Gebäude auf die Hand und setzt eins der eigenen Häuschen drauf.

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Grüne Karten liefern Rohstoffe in Abhängigkeit von Symbolen (links unten auf den Gebäudekarten). die man kontrolliert.

Dabei sollte man beachten, dass man einen Bonus bekommt, je nachdem wo der Valette ist und einen Rabatt, wenn man neben eigenen Häuschen baut.

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Blaue Karten machen alles mögliche. Ein paar davon knöpfen den Mitspielern Ressourcen ab.

Im Prinzip macht man das bis das Spielende eingeläutet wird. Dafür gibt es 3 verschiedene Bedingungen aber ich will nicht zu sehr ins Detail gehen.

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Gelbe Karten liefern auf unterschiedliche Art und Weise Siegpunkte.

Wichtig ist nur noch folgendes. Sobald das Spielende eingeläutet wurde mischen alle ihren Ablage- und Nachziehstapel zusammen. Das Spiel geht so lange, bis alle Spieler nochmal das komplette Deck durchgespielt haben.

Einstieg & Wiedereinstieg

Regelumfang: Die Regeln sind gar nicht so umfangreich. Bei den Karten traten bis jetzt auch kaum Fragen auf.
Einarbeitungszeit: nicht so lange aber in den ersten Partien wird man beim Betrachten der Auslage eine Weile brauchen.

Preis/Leistung

Grade wenn man Valletta im unteren 30er Bereich bekommt, halte ich den Preis für in Ordnung. Bei Mitte 35+ muss man schon überlegen. Man hat hier genug Abwechslung in der Auslage (vor allem wenn man mit weniger als vier Spielern spielt) und das Holzmaterial ist von guter Qualität. Die Karten haben helle Ränder und nutzen sich nicht sehr stark ab. Da hat man lange was davon.
Apropos lange was davon haben. Das Spiel hat richtig viel Potential für Erweiterungen, die in die unterschiedlichsten Richtungen gehen könnten und trotzdem wahrscheinlich nicht sehr viel Material beeinhalten … dh. eher nur einen kleineren Geldbetrag kosten könnten. Reine Spekulation meinerseits aber wenn ich ich, sagen wir… 10 neue Personen einfügen würde, wären das nur 20 Karten aber das Spiel würde komplett anders sein.

Meine Meinung

Was gefällt mir an Valletta nicht: Die Aufbauzeit. Dabei ist sie mit unter 8 Minuten nicht Mal sooo hoch. Orléans braucht da noch ein Weilchen länger. Aber es fühlt sich lang an. Die Fässer auszulegen zieht sich. Ich bin mittlerweile soweit, dass ich die Plättchen das nächste Mal in einen Beutel gebe. Das spart ungefähr 1 min!
Ein weiterer Punkt ist die Optik der Karten. Einerseits finde ich jede Karte für sich ganz nett, da man hier Personen im Tagesablauf sieht und jedes Gebäude ist auch etwas anders aber irgendwie kommt für mich kein Stadtflair auf. Für meinen Geschmack hätten die aufgewerteten Gebäude größer und pompöser sein können.

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Der einzige Grund um nochmal in die Anleitung zu schauen.

Neutral finde ich, dass es dem Spiel nicht geschadet hätte, wenn noch ein kleines Kärtchen dabei gewesen wäre, wo steht von welcher Farbe wieviele Gebäude bei welcher Spielerzahl verwendet werden. Das würde den Blick in die Anleitung komplett sparen.

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Zurück zur Optik. Das die Holzhäuschen ein Dach haben, es in Valetta aber eigentlich Flachdächer gibt ist ein wenig störend aber fällt nicht großartig ins Gewicht.
Weiter geht es mit der Figur des Valette. In unseren Runde war es so, dass er vor allem bei weniger als vier Spielern nicht in die Nähe des Spielendes gekommen ist. Im Bild oben sieht man das Ende eine Dreispielerpartie. Er befindet sich noch recht weit vom Spielende entfernt und das nachdem alle nochmals das Deck durchlaufen haben. Das finde ich Schade. Nicht, dass ich jetzt am Boden zerstört bin … aber es ist Schade.
Der Autor selber hat zum Zweispielerspiel und für den Startspieler zwei kleine Varianten veröffentlicht (hier). Dafür gibts von mir gleich zwei Daumen nach oben. Eine davon passt die Fässer im Zweispielerspiel an … DAS ist sehr zu empfehlen. Ich hoffe, das es in zukünftigen Auflagen den Weg in die Anleitung findet.

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Was gefällt mir. Das Spiel hat schon seinen Charme. Zentral geschieht das durch  die Figur des Jean de la Valette. Sowohl historisch als auch im Spiel ist er eine wichtige Person. Er ist immerhin der Einzige der Personen entlassen und vom allgemeinen Bereich einstellen kann. Das gibt ihm mehr Gewicht. Ebenso wie die anderen realen, gelben Personen. Die haben zwar nicht die Tragweite des Namenspatrons aber es macht das Spiel eigenständiger als wenn da nur „Bischof“ stünde.

Hans im Glück hat sich diesmal bei den Personen mehr einfallen lassen. War es bei Auf den Spuren von Marco Polo so, dass dort historische Personen einfach so reingegeben wurden ohne irgendeinen Text dazu, so gibt es hier zu allen oben Genannten ein paar Zeilen. Dh. Wer sie waren und was sie gemacht haben. Sehr schön. Das gibt nochmal eine Prise „Realität“ in ein sonst eher abstraktes Strategiespiel.

Die Mechanik gefällt mir gut. Wo andere Aufbauspiele riesige Spielertableaus haben, bleibt hier das Hauptaugenmerk auf dem Spielfeld (ganz großes Plus). Durch den Deckbau Mechanismus schränkt man angenehm die Optionen ein und sorgt aber auch für einige taktische und strategische Herausforderungen. Nur 3 Karten kann ganz schön knackig sein. Da entschließt man sich doch nicht zu bauen, weil man auf den Lehrling warten und gleich zwei Gebäude hochziehen will und zack … war ein Mitspieler schneller oder auf einmal ist der Valette im anderen Teil und die Bonuspunkte sind futsch und wie man weiß: Kleinvieh macht auch Mist 🙂

Wie schon gesagt, der Fokus liegt immer auf dem Spielfeld. Welche Person will man? Wo will man ein Haus errichten? Wo ist der Valette? Welche Waren will man produzieren? Wie kann ich mich am besten ausbreiten oder wo muss ich den anderen zuvor kommen? Grade im 1. Zug sorgt das gerne Mal für längere Nachdenkpausen. Bis man die Auslage sondiert dauert es ein Weilchen aber sobald die 1. Häuschen auf dem Plan gelandet sind, läuft es eigentlich wie geschmiert. Erst in den letzten Zügen vor Spielende, wenn alle versuchen das Maximum rauszuholen, wird es wieder ein wenig langsamer.
Das man nochmal das ganze Deck durchläuft gefällt mir richtig gut. So kann ich auch mit einen größeren Deck nochmal punkten und das Feld von hinten aufrollen.

Trotz der weiter oben genannten Schwächen hat es mir Spaß gemacht. Mir gefällt besonders das Spiel zu dritt, weil es da oberhalb und unterhalb der Straße unterschiedlich viele Reihen gibt. Da überlegt man noch mehr, wo man seine Rohstoffe investiert.
Mal sehen wie es sich über das Jahr hinweg entwickelt. Valletta ist ja sehr bekannt für seine Befestigungen … Na Hans im Glück … da kann man doch noch ein paar Karten nachschießen, oder 😉

Gut-

Empfehlung

Wer nach einem zugänglichen Aufbauspiel sucht, dass über Karten gesteuert wird, sollte sich Valletta einmal ansehen.

Valletta ist aber kein Schwergewicht.

Vielen Dank an Hans im Glück für das Rezensionsexemplar!

Isle of Skye

Nachdem mich das anderer große Werk der beiden Autoren, Broom Service, nicht wirklich überzeugt hat, schauen wir uns heute Isle of Skye an. Wie kann man das Spiel einfach beschreiben?
Man stelle sich vor Kingdom Builder, Carcassonne und Alhambra leben in einer offenen Beziehung und bekommen dank der Genetik ein Kind.

Eckdaten

Autor: Andreas Pelikan, Alexander Pfister
Illustrationen: Klemens Franz
Verlag: Lookout Spiele (Verlagsseite)
Erscheinungsjahr: 2015
Spieleranzahl: 2 – 5
Dauer: 45 – 60 min
Schachtelgröße: 28xm x 19,3cm x 6,8cm
Preis: ca 25€

Ausstattung

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Mitgeliefert werden Plättchen, ein schön großer Beutel, Pappmünzen, Sichtschirme und ein Spielplan. Das Material ist gut gewählt. Was nicht enthalten? Plastikbeutel. Man sollte aber unbedingt welche verwenden um die Münen zu verstauen. Das spart Zeit.

Grafische Gestaltung

Die Gestaltung ist typisch Klemens Franz. Gut gelungen.

Aufbau

Spielfeldgröße: ca 30 x 20 für die zentrale Auslage und ca 40xm x 20cm pro Spieler
Aufbauzeit: ca 2min.

Thema

Ja … puh … ähm … Die Isle of Skye exportiert tatsächlich Whisky 🙂

Besonderheiten

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Spielablauf auf de Rückseite des Sichtschirmes.

Eine Partie gliedert sich in 5 bzw. 6 Runden.

Zu Beginn einer Runde bekommen alle Spieler Geld. Der Geldbetrag hängt davon ab wie viele Whiskyfässer über Straßen mit der Burg verbunden sind. bzw. wie viele Spieler sich auf der Punkteleiste vor einem befinden.

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Bei Rundenbeginn würde ich 6 (5 für die Burg und 1 für die Whiskyfässer) Geld bekommen

Danach ziehen alle Spieler der Reihe nach 3 Plättchen aus dem Beutel und legt sie vor den Sichtschirm. Hinter eines der Plättchen legt man eine Axt. Dieses Plättchen wandert zurück in den Beutel. Hinter die anderen muss man mindestens 1 Goldmünze legen.

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Das Plätchen ganz links wandert zurück in den Beutel

Haben das alle gemacht, stellt man die Sichtschirme zur Seite. Die Plättchen vor den Äxten kommen zurück und jetzt haben die Spieler der Reihe nach die Chance genau 1 Plättchen von den anderen Mitspielern zu kaufen. Das Geld für den Kauf geht sofort an den Spieler. Das Geld das dieser als Preis dafür festgelegt hat geht auch wieder an ihn zurück.

Nachdem alle gepasst oder gekauft haben müssen die Spieler vor ihnen liegende Plättchen selber kaufen, dh. das Geld wandert in den Vorrat.

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Ja das Plättchen wurde korrekt angelegt.

Danach werden die Plättchen eingebaut. Einbauregeln sind recht simpel. Da wo man an bestehende Plättchenarten anlegt muss das Gelände übereinstimmen. Geländearten sind Berge, Wiesen und Seen. Straßen können im nichts auftauchen und auch wieder verschwinden.

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Die unterschiedlichen Plättchen

Jetzt wird gewertet. In jeder der 5/6 Runden wird nach anderen Kriterien gewertet. Dabei wählt man zu Spielbeginn 4 der Plättchen aus und platziert sie auf dem zentralen Tableau.

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Die vorgschlagenen Wertungsplättchen für die erste Partie. Wir befinden uns gerade in der ersten Runde. Fenster A wird bei Rundenende gewertet.

Jedes Plättchen liegt in einem Fenster und darüber ist ein Buchstabe. Auf dem Tisch wird die Runde angezeigt. In der ersten Runde wertet man also Fenster A usw.

Nach 6 Runden ist das Spiel vorbei

Einstieg & Wiedereinstieg

Regelumfang: Wenig
Einarbeitungszeit:Leicht gelernt, schwer zu meistern

Preis/Leistung

Das Spiel ist für ca 25€ zu haben. der Preis geht meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung.

Meine Meinung

Gut … Fangen wir gleich mit dem Negativen an. Hier veweise ich auf meine abschließenden Worte von Yangtze. Ich finde zu überlegen „soll das jetzt 12 oder 13 kosten“ eher nicht so spannend. Dieses Element ist aber entscheidend. Eine Münze mehr oder weniger zu haben, kann in einer Runde schon mal zu einem Schneeballeffekt führen.Wenn ich dieses Plättchen kaufen kann bedeutet das für mich Punkte und für den Mitspieler einen Haufen Geld, was wiederum Einfluss darauf hat was er kaufen kann usw. Es ist eben nicht so wie in anderen Spielen, dass das Geld in den Vorrat kommt. So kann es sein, dass ein Spieler haufenweise Geld hat aber nur 1 Plättchen kaufen kann. Ach ja … Das fühlt sich dann irgendwie unbefriedigend an.

 

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es kann eben nur einen geben 🙂

Kommen wir zu den neutralen Punkten. Ich finde den Aufholmechanismus notwendig. Ist das was schlechtes? Jein, weil man ohne ihn gefühlt aufgeschmissen wäre. Manchmal sind die guten Plättchen eben schon weg oder man ist der Startspieler der zwar eine Riesenauswahl, aber eher wenig Geld hat, falls er die eigenen Plättchen nicht verramscht.
Weiterer neutraler Punkt. Die gebaute Landschaft finde ich nicht so schön anzusehen wie in anderen Legespielen. Vielleicht auch deswegen weil man eben nur eine kleine Landschaft vor sich selbst baut. Da liegen dann eben nur ungefähr 12 Plättchen.
Noch ein neutraler Punkt. Man muss die Plättchen die bei den anderen ausliegen gut im Kopf rotieren. Es ist in den Partien schon Mal vorgekommen, dass einer ein Plättchen gekauft hat, es anlegen wollte und irgendwie die Straße doch anders verlaufen ist als er sich das vorgestellt hatte.

Ansonsten ist es ein gutes Beispiel für die Kennerspiel Kategorie. Man könnte meinen, dass es so simpel ist aber der Kniff ist hier das Festsetzen der Preise. Das ist nicht so einfach, wie es aussieht. Welche Runde haben wir? Was wird gewertet? Was haben die anderen gebaut? Wieviel Geld will man selbst noch zum Einkaufen übrig haben? Was schmeißt man wieder zurück? Will man die eigenen Plättchen notfalls auch haben?
Fragen über Fragen.

Was mir noch gut gefällt ist die (meist) niedrige Wartezeit und das doch interaktive Spielgefühl. Die Phase wo am meisten überlegt wird, verläuft nämlich für alle Spieler gleichzeitig. Richtig gut. Später beim Kauf geht es dann doch ziemlich zackig dahin und ehe man sich versieht ist das Spiel um.

Die Spielzeit ist nämlich der nächste Pluspunkt. Mit eher bis zu  einer Stunde ist es nicht zu lang aber auch nicht zu kurz. Richtig schön. Da hängt man gerne noch eine Revanche dran.

Mein persönliches Highlight sind die Wertungsplättchen. Hier ist genug Abwechslung für einige Partien drin, weil die Reihenfolge der Wertungen auch Auswirkungen auf das Spiel hat und auch gleichzeitig ändert, was welche Plättchen wert sind. Simpel und richtig elegant.

Ich finde das Spiel in der Kategorie Kennerspiel ganz gut aber muss auch sagen, dass es nicht so ganz mein Geschmack ist aber die Wertungsplättchen, die Interaktivität und kurze Spieldauer reißen es heraus.

Gut-

Empfehlung

Wer ein Legespiel sucht mit flexibler Preisgestaltung, schöner Spieldauer und Wiederspielbarkeit -> Pflichtkauf.

Wer aber glaubt Isle of Syke ist ein komplexeres Carcassonne -> hier seid ihr falsch. Abgesehen davon dass man Plättchen rotieren darf, wars das mit den Gemeinsamkeiten.

Yangtze

Man hats nicht leicht als Händler. Die Konkurrenz schnappt einem gerne Mal vor der Nase den besten Deal weg und der letzte Kaiser hat eine Spende für alle unsere Niederlassungen verlangt. Wenn das der Opa erleben würde! Naja … es hat auch positive Seiten. Der neue Kaiser sagt wir dürfen eines unserer Güter gegen etwas anderes eintauschen … Wuhu … Lange lebe der Kaiser!

Eckdaten

Autor: Reiner Knizia
Design: Klemens Franz
3D-Shot: Andreas Resch
Verlag: Piatnik (Verlagsseite)
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 2 – 4
Dauer: 35 – 60
Schachtelgröße: 31,6cm x 30cm x  7,6cm
Preis: 25 – 30 €

Ausstattung

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Das Spiel besteht aus ein 4 guten Sichtschirmen, Papplättchen, ein paar Karten und einem Beutel für die Plättchen. An der Materialqualität gibt es nichts auszusetzen.Vor allem das Spielbrett mit dem Fluss, in dem man schön die Plättchen reinschieben kann gefällt mir sehr. Ebenso wie die Plättchen selbst. Ich finde, sie liegen gut in der Hand.

Grafische Gestaltung

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Der Grafikstil gefällt mir. Die Grafiken sind gut unterscheidbar. Kartensymbole sind auch sehr schnell klar. Für Farbenblinde sind die Waren auch mit Symbolen versehen. Gut gemacht.

Aufbau

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Aufbau für 4 Spieler.

Spielfeldgröße: 29cmx29cm für das Spielbrett und ca 50cm x 15cm pro Spieler
Aufbauzeit: ca 2:00

Thema

Wir sind eine Familie von Händlern die auf dem Yangtze Handel treibt und weitere Niederlassungen gründet.

Besonderheiten

Unser Ziel in Yangtze ist es, möglichst viel Profit zu machen. Deswegen werde ich hier mehr darüber erzählen wie das geht. Auf dem Spielfeld befindet sich der Fluss.

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Waren sind günstiger, je weiter unten sie auf dem Fluss sind

Am Flussufer befinden sich 8 Handelshäuser. Je weiter es den Fluss hinuntergeht desto billiger bekommt man die Waren. Immerhin wollen die auch noch ihr Zeug loswerden, bevor es (theoretisch) nach Shanghai weiter geht.

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Gewöhnliche Waren sind von türkisem Wasser umgeben. Luxusgüter sehen alles in allem wertvoller aus und sind von blauem Wasser umgeben.

Wie können wir jetzt Profit machen? Wir verkaufen Warenbündel. Alle Waren die man besitzt werden während des Spieles hinter dem Sichtschirm gebunkert. Waren gibt es in 2 Kategorien. Luxusgüter und gewöhnliche Waren. Die einen bringen mehr Profit und sind aber rarer die anderen sind häufiger und rentieren sich erst, wenn man viele davon hat.
Ein Warenbündel besteht immer aus Waren einer Kategorie mit gleicher Farbe (bzw. Symbol) oder gleichen Typs (z.B. Teekannen).

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Niederlassungen in den unterschiedlichen Farben. Die Punkte auf der Unterseite sind für Gleichstände wichtig

Wofür gibt es noch Geld? Wurden Waren vom Fluss gekauft, werden wieder Plättchen aus dem Beutel nachgezogen. Darunter befinden sich auch Niederlassungen. Werden diese gezogen so werden sie sofort versteigert. 4 verschiedene Gebäudetypen auf braunem oder grünem Hintergrund. Hier wollen wir Sets sammeln, bzw. können die Mehrheit an Gebäuden einer Sorte anstreben. Dafür gibt es am Ende auch Geld. Niederlassungen liegen vor dem Sichtschirm und sind für alle einsehbar.

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Sichtschirm von hinten. Oben sieht man wieviel Geld man für die Niederlassungen bekommt. Unten links – Luxusgüter und unten rechts die gewöhnlichen Waren.

Last but not least … Jeder Spieler bekommt einen identischen Satz an Karten. Jede kann man einmal im Spiel verwenden. Davon sind 3 Liquiditätskarten mit denen man sich eine Finanzspritze holen kann. Wer sie nicht verwendet, bekommt bei Spielende nochmal 30 Geld

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Der Kartensatz. Mit den oberen kann man besondere Aktionen durchführen und die unterene geben während des Spieles bzw. bei Spielende nochmal Geld.

Ist man an der Reihe so darf man 2 Aktionen durchführen. Zuerst kann man ein Warenbündel verkaufen. Danach kann man 1 Ware vom Fluss kaufen. Kauft man eine so füllt man nach dem Kauf von hinten wieder auf und der Rest wandert zum nächsten Handelshaus weiter. Wird, wie oben schon erwähnt eine Niederlassung gezogen wird diese sofort versteigert.

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Ich kaufe dieses Luxusgut für 4 Geld. Die anderen Plättchen rutschen nach und ans Ende kommt eine neue Ware aus dem Beutel.

Das Spielende wird durch Herrscherplättchen angegeben. Von denen sind auch 12 im Beutel. Sie repräsentieren die Herrscher der Qing Dynastie. Wurden alle 12 gezogen ist das Spiel vorbei. Zusätzlich löst jeder Herrscher auch ein kleines Ereignis aus. Mal gibts für bestimmte Niederlassungen extra Geld oder man muss Strafzahlungen leisten etc.

Eine weitere Möglichkeit wie das Spiel enden kann, ist wenn alle Spieler in einer Runde keine Aktion durchführen.

Einstieg & Wiedereinstieg

Regelumfang: Eigentlich wenig Regeln
Einarbeitungszeit: Um ein Gefühl für das Spiel zu bekommen braucht man schon eine Partie.

Die Anleitung ist gut geschrieben. Danach waren keine Regelfragen offen.

Preis/Leistung

Zu haben ist das Spiel für derzeit ca 27€. Das ist für mich ein fairer Preis.

Meine Meinung

Was gibt es Negatives über dieses Spiel zu sagen? Spoiler – das ist der große Punkt für mich. Die Münzleiste bzw. die Münzmarker. Das ist meiner Meinung nach die größte Schwachstelle des Spieles. Warum?

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Die Münzleiste

Die Leiste geht bis 60. Hat man über 50 so kann man sich einen 50er Marker nehmen. Ab 60 muss man. Das führt zu folgender seltsamen Situation. Angenommen ich habe 45 Geld und erhalte weitere 20. Das macht dann 65 Geld … Yeah Volksschulmathematik…. Nun gut. Die Leiste geht bis 60 aber ich kann nicht einfach den Marker auf die 5 setzen, weil die Münzen die man bekommt ja 50er sind. Dh. man setzt den Marker stattdessen auf die 15.  Ich hoffe das kommt geschrieben so rüber, wie es sich in meinem Kopf anhört 🙂
Meiner Meinung nach ist das vollkommen unnötige geistige Mehrarbeit die man machen muss. Jetzt nicht wer weiß wie fordernd aber seien wir uns ehrlich: wir Spieler sind verwöhnt. In so ziemlich jedem Spiel wo man Punkte bekommt und einmal „die Runde“ hat, bekommt man einen Marker der das anzeigt und man startet quasi wieder bei 0. Das ich hier diesen 10er Sprung bzw. eine Subtraktion machen muss hat bis jetzt in jeder 1. Partie zu mindestens einem Fehler geführt. Dieser Bruch mit der Konvention ist für mich vollkommen unverständlich.

Warum kommt der Fehler nur in der 1. Partie vor. Ich wollte schauen wie jede Gruppe reagiert. Ab der 2. Partie lasse ich die Leiste nur mehr bis 50 laufen. Spielerisch sehe ich keinen Unterschied aber 1. ist zählen in einem 50er Rhytmus für uns normaler und 2. kann ich einfach wieder von vorne anfangen.

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Die unterschiedlichen Herrscherplättchen

Neutrale Punkte gibt es keine.

Abgesehen davon gefällt mir dieses Spiel gut. Die Gestaltung ist schön. Das Spielbrett passt auf fast jeden Tisch, die Sichtschirme sind stabil, die Spielregel lässt keine Fragen offen. Vom Ablauf her ist es es ein Sammelspiel. Man sammelt Sets und verkauft sie wieder.

Spannend wird es bei den Bietrunden.Obwohl man hier in der 1. Partie gerne über das Ziel hinausschießt und zuviel bietet.Wie viel ist einem eine Niederlassung wert? Kann man den anderen dazu bringen zuviel zu bieten? Das sorgt für Interaktion am Tisch. Grade weil man nicht genau weiß, wann Versteigerungen kommen. Es kann gut sein, dass auf einmal 3 Versteigerungen hintereinander sind. Wer zu diesem Zeitpunkt schon sein ganzes Geld verpulvert hat, schaut drein wie ein Uhu nach dem Waldbrand.

Die Karten der Spieler haben alle ihren Zweck. Anfangs dachte ich: Aha…warum gibt es eine Liquiditätskarte die mir nur 10 Geld gibt. Da nehm ich natürlich zuerst die 20er Karte. Der Dreh ist, dass es ein Herrscherplättchen gibt mit dem man eine bereits verwendete Liquiditätskarte wieder zurückkaufen kann. Der Preis. Das Geld, dass die Karte davor gebracht hat. Der Nutzen. Natürlich die 30 Geld für die Endwertung. Aber wann welches Plättchen gezogen wird, weiß man eben nicht.  Apropos Herrscher.

Diese verleihen dem Spiel noch mehr Eigenständigkeit. Sie bringen ein chaotisches Element mit, dass ich thematisch ansprechend finde. Du musst dein Geschäft eben so führen, dass du auch mit den unterschiedlichsten Herrschern fertig wirst. Vor allem mit denen die einem Steuern um die Ohren schmeißen. Auch hier kommt Spannung ins Spiel, weil man eben nicht genau weiß, wann das Spiel endet. Wenn nur mehr 1 Herrscher fehlt aber jeder noch Waren kaufen möchte, schwitzt man bei jedem Griff in den Beutel.

Zu guter letzt, gefällt mir die Hommage an Go mit dem alternativen Spielende. Wenn alle Spieler das Gefühl haben, dass ihnen ein Zug nichts bringt und passen ist es sofort vorbei.

In Summe halte ich Yangtze für ein gutes Handelsspiel, dass durch ein Bietelement und andere Unsicherheitsfaktoren noch einen zusätzlichen Reiz hat. Ich muss am Ende aber doch noch ein wenig abziehen. Warum? Yangtze ist eigentlich das 1. Spiel dieser Art (recht seriöse Handelsspiele) das ich gespielt habe. Die die ich kenne, hatten ein Brett dazu mit anderen Aktionen oder waren lockerer oder hatten nur einen punktuellen Bietmechanismus. Hier ist das ganze puristischer.
Das trifft aber nicht ganz meinen Geschmack.Nicht falsch verstehen. Ich spiele es gerne mit und das wird noch öfter der Fall sein, weil es zwei Leuten ganz gut gefallen hat aber meine 1. Wahl wäre es nicht.

Befriedigend+

Empfehlung

Wer gerne mit Geld hantiert, kauft, verkauft, investiert und ein Gefühl für Zahlen hat sollte sich das Spiel anschauen.
Wer schon beim Gedanken an ein etwas zahlenintensiveres Spiel reißaus nehmen möchte, sollte sich wo anders umsehen.

Vielen Dank an Piatnik für das Rezensionsexemplar!